„Mein Opa hatte das auch“, „Redet ihr manchmal über die Krankheit?“, „Du musst jetzt auf dich aufpassen!“ Wer das Buch von Katrin Seyfert aufschlägt, wird noch vor der eigentlichen Lektüre mit dem „lustigen Alzheimer-Bingo“ konfrontiert. Der ungewöhnliche Zugang passt zu dem Grundton, der die Erzählung der Autorin durchzieht. Dieser ist schonungslos, oft unbarmherzig klar und direkt, manchmal zynisch – und lässt viel von dem Schmerz und den Zumutungen erahnen, den die freie Journalistin über fünf Jahre erleben musste. So lange dauerte die Zeit, die Katrin Seyfert, so ihr Pseudonym, ihren Mann durch seine Alzheimer-Erkrankung begleitete.
Marc, Arzt und Vater von fünf Kindern und die Liebe ihres Lebens, erhält die Diagnose bereits mit Anfang 50. Diese stellt alles auf den Kopf – es gilt, das Zusammenleben, die Finanzen, den Pflegedienst und vieles mehr rund um die Uhr neu zu organisieren. Der Alltag ist von absurden Situationen, Verzweiflung, Trauer, Erschöpfung – aber auch kostbaren kleinen Glücksmomenten geprägt.
Die Autorin berichtet ehrlich von Tabuthemen, die sich viele pflegende Angehörige nicht auszusprechen trauen. Zum Beispiel über finanzielle Probleme, die solch eine Situation mit sich bringt („Ich brauch keine Kur, ich brauche Geld“), über schlechte Laune und egoistische Gefühle, die man sich für kurze Zeit selbst zugestehen darf („Freiheit in Form einer Fratze“) und über Hilfe im Alltag, die ihr mehr fehlt „als mein Mann“. Ein Erfahrungsbericht, der nicht leicht zu verdauen ist – aber auch zeigt, dass am Ende die Liebe trotz aller Widrigkeiten bleibt.