Marie-Janine Calic beschäftigt sich in „Balkan-Odyssee“ mit einem bisher wenig beachteten Bereich der Exilforschung. Ihr Thema ist das Schicksal von Flüchtlingen in Südosteuropa zwischen 1933 und 1941. Mindestens 55 000 Juden und Nichtjuden, Künstler und Arbeiter, Konservative und Kommunisten, Zionisten, Widerstandskämpfer und Unpolitische flohen damals vor den Nationalsozialisten nach Jugoslawien.
Die Historikerin, die als Professorin für südosteuropäische Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München forscht und lehrt, hat viele Quellen gefunden und ausgewertet, vor allem Briefe und persönliche Notizen. Sie zeichnet das Schicksal ausgewählter Exilanten anschaulich nach, darunter auch das der gefeierten Schauspielerin Tilla Durieux und des Schriftstellers Manès Sperber.
Sie möchte, so schreibt die Autorin, „die Opferbiografien dem Vergessen entziehen und zugleich in exemplarischer Weise an die persönlichen Tragödien ungezählter Namenloser erinnern – und an die Hilfsbereitschaft vieler Einheimischer, die die Bedürftigen versorgten und versteckten.“ Alles, was Calic schildert, ist durch die Quellen gedeckt. Szenisch und spannend erzählt sie Geschichten von Mut und Menschlichkeit in Zeiten der Verfolgung.
Für ihr Sachbuch hat Marie-Janine Calic im März den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten. Die Autorin kommt am 20. Oktober um 18 Uhr zu einer Lesung nach Stuttgart in die Württembergische Landesbibliothek an der Konrad-Adenauer-Straße 10.