Der Buchtitel ist an Friedrich Dürrenmatts Drama „Der Besuch der alten Dame“ angelehnt, inhaltlich gibt es allerdings keine Gemeinsamkeiten. Mit der „alten Dame“ in Hans Hentschels Buch ist die Kirche gemeint. Weil Pfarrer gewohnt sind, in Bildern zu reden, entwirft der ehemalige Pfarrer und Superintendent der Landeskirche Hannover das Bild einer Dame auf der Intensivstation eines Krankenhauses.
Davon ausgehend sucht er nach Erklärungen, was sie dorthin gebracht hat, überlegt, was sie braucht und mit welchen Mitteln sie wieder zu Kräften kommt. Die Diagnose ist schnell gestellt: Den Kirchen laufen die Mitglieder davon. Warum es wichtig ist, dem etwas entgegenzusetzen, macht der Autor durch die Beschreibung des Wesens der Kirche deutlich.
Bezeugen, feiern, dienen und Gemeinschaft leben sind die vier Bereiche, mit denen Kirche wirkt. Sie kann sich dabei auf vier Säulen stützen: auf die Zehn Gebote, das unaufhörliche Gespräch mit Gott, das Glaubensbekenntnis und die Feiern von Taufe und Abendmahl. Im Idealfall entstehe dabei eine ethische Orientierung, die in die Gesellschaft hineinwirke, so Hentschel. Wie die alte Dame wieder vital werden kann, dazu gibt es zahlreiche Vorschläge in diesem engagierten Buch. Darunter sind keine Patentrezepte. Der eigentliche Verdienst des Buches ist es, klar zu benennen, dass die Kirche in einer Krise steckt, zu zeigen, wie dringend Kirche gebraucht wird, und schließlich Überlegungen in Gang zu setzen, welche Wege in und aus der Krise möglich sind.