Vielleicht vermag Kunst Trost zu geben in finsteren Zeiten. Wobei es der Künstlerin Ayesha in dem Bilderbuch „Ayeshas Pinsel“ anfangs schlichtweg gut geht. Sie lebt in einer hübschen, beschaulichen Kleinstadt, kauft ihre benötigten Utensilien bei der benachbarten Händlerin ein, schenkt deren Sohn Emil manchmal eine Zeichnung und alles ist fein – bis der Krieg in die Normalität hineinbricht. Im Keller von Ayeshas Haus suchen viele Schutz vor den Bomben-Angriffen. Und irgendwann beginnt die Malerin, motiviert von dem Buben Emil, der Ihr Pinsel und Farben in die Hand drückt, die Wände zu bemalen. Ihre Bilder geben den Menschen nicht nur aktuell Seelenstärke, sondern vermitteln, dass es irgendwann wieder einmal anders sein wird – nicht wie zuvor, aber zumindest friedlich. Das zwischen märchenhaft und utopisch changierende Ende verstärkt diesen ersehnten Lichtblick.
Die knappen, präzisen, berührenden Texte von Cornelia Funke korrespondieren aufs Schönste mit den feinen, lebendigen Bildern von Pauline Pete. Sie schafft einen dramatischen Wechsel zwischen Überblicks- und Detailbildern und lässt uns so in die Geschichte, die Szenerien unmittelbar eintauchen. Helligkeit und Dunkelheit, gezeichnet mit Materialien wie Gouache, Bleistift, Farbstiften, Kugelschreiber und Tusche, zeigen uns die enspannte Zeit davor, die direkte Bedrohung – und die Hoffnung. Ein wundervolles Buch, jenseits der Genres für Kinder ab 8 und Menschen jeglichen Alters, das berückend von der Kraft der Kunst erzählt.