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Buchtipp: „Und Federn überall“ von Nava Ebrahimi

Menschlichkeit in zunehmend harten Zeiten

In „Und Federn überall“ erzählt Nava Ebrahimi von sechs Schicksalen am Schlachthof und fragt, was Menschlichkeit heute bedeutet. Von Brigitte Scheiffele

Buchcover „Und Federn überall“ von Nava Ebrahimi im Vordergrund, im Hintergrund ist ein hellbraunes Bücherregal zu sehen. Buchtipps
Canva
Nava Ebrahimi: Und Federn überall. Luchterhand Verlag, 352 Seiten, 24 Euro.

Das Leben in der norddeutschen Kleinstadt scheint öde und trist. Wer hier Arbeit sucht, kommt am Geflügelschlachthof nicht vorbei. Auch Lesende erhalten Einblick in die Tätig­keiten am Band. Rund um den Schlachthof verknüpft Autorin Nava Ebrahimi das Leben von sechs Menschen, die an einem Wendepunkt stehen, zu einem mitreißenden Gesellschaftsroman.

Die alleinerziehende Mutter Sonja will nicht mehr am Fließband ar­beiten, aber Ingenieurin Anna führt genau dort ein neues Automatisierungsverfahren ein, das für ihre ­berufliche Zukunft wichtig ist. Für diese Prozessoptimierung ist ein verlassener Ehemann mit einem ­Faible für Polinnen zuständig, der einem Date entgegenfiebert. Dann wäre da noch der geflüchtete ­Afghane Nassim mit einer Affäre zur zwanzig Jahre älteren Justyna, die auch im Geflügelhof arbeitet. Er will mit seinen Gedichten deutsche ­Beamte für seinen weiteren Aufenthalt erweichen und bittet eine deutsch-iranische Autorin um Übersetzungshilfe. Die wiederum erstarrt, weil sie bereits das zweite Wort in Nassims Gedicht nicht kennt und so die Vergeblichkeit seines Tuns offenlegt. Doch als ihm ein rücksichtsloser Radfahrer den Blindenstock kaputt fährt, wird er zu einer lokalen Berühmtheit und bringt Menschen dazu, der eigenen Wahrheit in die Augen zu sehen.

Mit Erzähllust und feiner Ironie stellt die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Ebrahimi die Frage: Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird?

Das Buch erhalten Sie über den neuen Gemeindeblatt-Onlineshop oder beim Gemeindeblatt-Leserservice unter 0711 60100-28.