Helen Keller erreichte im 19. Jahrhundert das, was vor ihr noch keinem Menschen mit Taubblindheit gelungen war: Sie promovierte, betätigte sich politisch, kommunizierte in mehreren Sprachen, war die erste taubblinde Schriftstellerin und eroberte sich gesellschaftliche Teilhabe.
Eine zu damaliger Zeit spektakuläre Entwicklung, die sowohl auf Helens außergewöhnliche Begabung und Intelligenz als auch auf die Unterrichts- und Erziehungsmethoden ihrer genialen Lehrerin Anne Sullivan gründeten. Sullivan, die an einer Sehbehinderung litt, hatte ihre Kindheit in einem Kinderheim voller Gewalt und Misshandlungen verbracht. Demgegenüber wuchs Helen, die als Kleinkind ihr Hör- und Sehvermögen verlor, geliebt und behütet heran.
Allerdings reagierte Helen, weil sie die Welt um sie herum nicht verstehen und sich dieser nicht verständlich machen konnte, mit schlimmen Wutausbrüchen. Mit viel Zuwendung gelang Sullivan der Durchbruch: Helen erlernte das Fingeralphabet und konnte sich damit ihrer Umwelt mitteilen – und das Glück des Verstandenwerdens erleben. Danach erlernte sie die Quadrat- sowie die damals noch weitgehend unbekannte Brailleschrift; durch das Abtasten von Gaumen und Lippen gelang es ihr später auch, durch ihre Stimme zu kommunizieren. Mit ihrem unbändigen Wissensdurst nahm Helen Vertraute und Begleiter häufig Tag und Nacht in Beschlag.