Erlaubt der Wahrheitsanspruch der Religionen überhaupt einen ernsthaften Dialog zwischen Christentum und Islam? Wie sollen Muslime und Christen über Jesus sprechen, der für die einen der Erlöser, für die anderen – bei allem Respekt für sein Leben und Wirken – nur ein Prophet ist? Haben Frauen und Männer wirklich dieselbe Würde? Wie politisch kann eine Religion sein? Herausforderungen, Zerrbilder, Missverständnisse, Stolpersteine tun sich hier auf. Führt das Gespräch zwischen den Religionen zu immer mehr Frust oder doch zu einem wachsenden Verständnis?
Über den ganz und gar nicht vordergründigen, ausgesprochen spirituellen Dialog zwischen dem Benediktinerpater Anselm Grün und dem afghanisch-deutschen Islamwissenschaftler und Religionsphilosophen Ahmad Milad Karimi äußerte sich der Politiker Wolfgang Schäuble kurz vor seinem Tod begeistert: „Religiöse Vielfalt macht ein Gemeinwesen in vielem reicher.“
Anselm Grün sieht die Religionen auf einer Wanderung zu Gott, der immer derselbe sei, „auch wenn wir verschiedene Bilder von ihm haben“. Beide Autoren sind sich darin einig, dass es auf diesem Weg um die religiöse Erfahrung von Angenommensein und Geliebtsein geht, aber auch um die Sorge füreinander und um die Verantwortung für die Welt. Statt um Rechthaberei geht es um die gemeinsame Erfahrung von Gottes Größe und Nähe: „Sobald die Frage nach Gott ins Zentrum rückt, tritt das Fremde im anderen zurück.“