Menschen, deren neurokognitive Funktionen von gesellschaftlichen Normen abweichen, werden gemeinhin als „anders“ wahrgenommen. Die Autorinnen Köller und Schautz stellen in ihrem Gemeinschaftswerk „Richtig anders – anders richtig“ jedoch klar, dass neurodivergente Personen Informationen nicht falsch, sondern schlicht anders verarbeiten. Sie präsentieren neurologische Vielfalt mit einem wohlwollenden Blick.
Der Druck zu funktionieren ist für neurodiverse Menschen von klein auf besonders groß; wer anders tickt, bekommt schnell das Gefühl vermittelt, nicht richtig zu sein. Anders sehen dies die Autorinnen: Autismus, ADHS, Legasthenie oder Dyskalkulie verstehen sie nicht als Störungen, sondern als natürliche Varianten menschlicher Wahrnehmung und Verarbeitung. Zugleich stellen sie klar, dass die Ursachen hierfür nicht in mangelndem Willen liegen, sondern eben neurologische Ursachen haben.
Ermutigend sind die Biografien, die erfolgreiche Lebenswege neurodivergenter Menschen zeigen. Herrlich der Perspektivwechsel im Kapitel „Was, wenn es andersherum wäre?“. Vermeintliche „Defizite“ werden da nicht bei neurodiversen, sondern bei neurotypischen Menschen verortet. Etwa das Bedürfnis nicht autistischer Menschen, ihr „Defizit“ durch häufige soziale Kontakte auszugleichen! Erklärende Randnotizen und ein ansprechendes Layout machen den Inhalt zusätzlich leicht zugänglich.