„Als Dorf überlebt man nur, wenn man zusammenhält.“ Überzeugungen wie diese werden in dem Örtchen Kaltenfeld stets weitergereicht, egal ob es um positiven Gemeinschaftssinn geht, etwas lieber unter den Teppich zu kehren oder gar darum, ein grausiges Geheimnis zu bewahren: Beim Abriss eines baufälligen Hauses taucht ein Totenschädel auf. Als Kommissarin Theresa Schnell aus der nächstgelegenen Kleinstadt, aber hier aufgewachsen, mit der Aufklärung betraut wird, stößt sie schnell an Grenzen.
Das eigentliche Thema von „Blauer Schnee“ ist allerdings nicht die Krimihandlung, sondern der Dorfkosmos. Der Autor Christof Messerschmidt, im Hauptberuf Pfarrer und seit drei Jahren Dekan in Schwäbisch Hall, spürt gekonnt nach, wie sich im ländlichen Raum größere gesellschaftliche Veränderungen im Kleinen widerspiegeln. Da gibt es etwa die Zugezogene, die gegen das „Kuhgrillen“ beim jährlichen Dorffest protestiert, und die abgeschaffte Bauersfrau, die der knapp 40-jährigen Theresa sagt, es sei gut, dass sie weggegangen sei.
Der Roman spielt zwar 2016, taucht aber tief in die Geschichte ein. Selbst wenn man als Leser die Dickschädeligkeit so mancher Hohenloher wiederzuerkennen meint, ist er doch, anders als vom Verlag suggeriert, allgemeiner angesiedelt – schon daran zu erkennen, dass in der direkten Nachkriegszeit englische Alliierte zugange sind, wobei es dort Amerikaner waren. Ein atmosphärisch dichtes Buch, das seine Spannung aus dem Leben der Menschen bezieht.