Kein Wunder, dass man im Lauf der Weltgeschichte großen Respekt vor den Wolkenkratzertieren hatte. Horaz staunte über ein „menschlich Haupt“ auf dem edlen Hals eines Rosses. Als der ägyptische Herrscher Muhammad Ali 1827 dem französischen König Charles X. eine Giraffe nach Paris schickte, einfach so, und „la Belle Africaine“ mit graziöser Verbeugung Rosenblätter aus seiner Hand fraß, gerieten die Menschen in solche Verzückung, dass man überall Giraffenporzellan, Giraffentapeten, Giraffenkleider kaufen konnte.
Doch in den USA sind derzeit Kissen der große Renner, die aus dem Kopf frisch geschossener Giraffen gefertigt sind, und das, obwohl nur noch 110 000 in freier Natur leben.
Das Buch der preisgekrönten englischen Publizistin Katherine Rundell ist eben nicht nur amüsant, kurios und voller Überraschungen, sondern stellenweise auch ziemlich traurig zu lesen. Denn alle Tierarten, die sie detailfreudig und liebevoll beschreibt, sind bedroht – vom Einsiedlerkrebs bis zum Elefanten, vom Storch bis zur Fledermaus. Doch „so viel kann noch gerettet werden“, schreibt die Autorin und zählt die aktive, anhaltende, von Liebe getragene menschliche Aufmerksamkeit für die Lebewesen neben uns zu den Wundern der Welt.