Direkt zum Inhalt
Post aus den USA

250 Jahre USA: Kein Grund groß zu feiern

Ein Vierteljahrtausend nach der Unabhängigkeitserklärung stehen die USA vor einem Jubiläum, das Stolz wecken sollte. Doch Gemeindeblatt-Kolumnistin Carolyn Schott wird am 4. Juli nicht groß feiern – zu groß ist ihre Sorge um die amerikanische Demokratie. Von Carolyn Schott

Unsplash+/Getty Images

Der 4. Juli 1776: Geburt einer neuen Nation

Am 4. Juli 1776 erklärte eine Gruppe rebellischer Kolonisten unsere Unabhängigkeit von Großbritannien, der Weltmacht des 18. Jahrhunderts. Wir gründeten unsere neue Regierung auf der Grundlage einer schriftlichen Verfassung, die besagte, dass die Macht der Regierung vom Volk ausgeht und den Beschränkungen des Gesetzes unterliegt.

250 Jahre Unabhängigkeit – ein Jubiläum unter Schatten

Der 250. Jahrestag dieser Errungenschaft ist es wert, gefeiert zu werden. Leider erleben wir diesen Moment mit einem Größenwahnsinnigen an der Macht und einem beispiellosen Ausmaß an staatlicher Korruption. Viele unserer nationalen Symbole wurden von diesem Mann ruiniert. Ich habe geweint, als ich den Ostflügel des Weißen Hauses in einem Trümmerhaufen liegen sah. Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll, dass sich der Reflecting Pool in einen Algen-Sumpf verwandelt hat. Normalerweise spiegelt sich im Reflecting Pool das Washington Monument wider – erbaut zu Ehren unseres ersten Präsidenten.

Realistisch betrachtet sind das jedoch nur kosmetische Probleme. Wichtiger sind die Angriffe auf unsere Wahlrechte – die den Kern dessen treffen, wofür die Verfassung steht. Trumps Regierung versucht, Gesetze zu verabschieden, die es 21 Millionen wahlberechtigten Bürgern erschweren und manchmal sogar unmöglich machen, ihre Stimme abzugeben. Seine Republikanische Partei versucht, die Wahlkreisgrenzen so zu ändern, dass die gewählten Abgeordneten selbst in Gebieten mit einer demokratischen Mehrheit die Republikaner begünstigen würden. Und seine Regierung hat davon gesprochen, bewaffnete Bundestruppen zu Wahllokalen zu entsenden, um Wähler einzuschüchtern.

Warum Feiern schwerfällt: Hoffnung auf die Zwischenwahlen

Es fällt schwer, 250 Jahre Unabhängigkeit zu feiern, wenn wir von Bedrohungen für eben diese Unabhängigkeit umgeben sind. Ich plane meinen Herbst so, dass ich mich auf die Wahlarbeit für die Zwischenwahl am 3. November konzentrieren kann. Ich hoffe und bete, dass genügend Amerikaner die Folgen ihrer bisherigen Wahlapathie erkennen und für Kongressabgeordnete stimmen, die für Rechtsstaatlichkeit eintreten und Trumps Zerstörung der USA stoppen können.

Daher werde ich am 4. Juli nicht groß feiern, hoffe aber, am 3. November feiern zu können. Dann wird sich entscheiden, ob wir die Demokratie, die durch unseren mutigen Schritt im Jahr 1776 geschaffen wurde, tatsächlich bewahren können.