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Glaubensweg 2026 – Crailsheim

Die Reformation in Crailsheim – Wie Adam Weiß 1526 Geschichte schrieb

1526 verändert sich Crailsheim für immer: Pfarrer Adam Weiß bricht mit Traditionen, feiert das Abendmahl in beiderlei Gestalt und legt damit den Grundstein für eine lutherische Stadtgeschichte, die bis heute sichtbar ist. Der Gemeindeblatt Glaubensweg am 5. Juli führt in diese „Reformationsstadt Europas“. Von Andreas Steidel

Das Foto zeigt die Johanneskirche in Crailsheim bei Sonnenschein und blauen, leicht bewölktem Himmel.
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Die Johanneskirche in Crailsheim

Warum 1526 ein Wendepunkt war

1526 ist ein Schlüsseljahr in der Glaubensgeschichte Crailsheims. Vier Jahre lang war da der neue Pfarrer schon in der Stadt. Seit 1522 hatte er im evangelischen Sinne gepredigt und drei Jahre später erlebt, wie nach dem Bauernkrieg sein Markgraf plötzlich wieder ins Schwanken geriet. Zumal doch die Bauern ganz offenbar die evangelische Botschaft falsch verstanden hatten: als Auf­forderung zur Auflehnung gegen die Obrigkeit!

Adam Weiß – der Reformator aus Crailsheim

Doch Adam Weiß ließ sich nicht vom neuen Kurs abbringen. Kaum ein Jahr nach dem Bauernkrieg tat er das, was an seiner evangelischen Gesinnung keinen Zweifel mehr ließ: An Ostern 1526 feierte er das Abendmahl in beiderlei Gestalt, mit Brot und Wein, der bis dahin den Priestern vorbehalten war. Kurze Zeit später heiratete er eine Frau ­namens Elisabeth und brach damit ganz bewusst das Zölibat.

Crailsheim war zu jener Zeit Teil der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach. Markgraf Georg ist früh beeinflusst von den Ideen Luthers und schickt deshalb schon 1521, vier Jahre nach den Wittenberger Thesen, den evangelisch gesinnten Pfarrer Weiß nach Crailsheim. Weiß ist gebürtiger Crailsheimer und die Stadt immerhin eine Nebenresidenz des Fürstenhauses. 

Eine Stele auf dem Reformationsweg zeigt die Inschrift "Solus Christus Sola Scriptura"
Pressebild
Die Stele mit der Gravur an der Johanneskirche.

Die Johanneskirche – Zentrum der Reformation

Die große Johanneskirche ist heute die erste Station eines Reformationsweges in Crailsheim, der an zwölf verschiedenen Punkten die Glaubensgeschichte wieder lebendig werden lässt. Um das „Bekenntnis“ geht es an der Johanneskirche, am Fuße einer Stele sind die vier reformatorischen Prinzipien ein­graviert: sola fide, sola gratia, sola scriptura, solus Christus – nur der Glaube, die Gnade, die Schrift und Jesus Christus zählen. An diesem Ort wird Pfarrer Uwe Langsam die Teilnehmer des Glaubenswegs um 10.30 Uhr zum Gottesdienst empfangen.

Adam Weiß im Netzwerk der Reformatoren

Seit Frühjahr 2015 trägt Crailsheim den offiziellen Titel „Reformationsstadt Europas“. Hier haben sich markante Dinge ereignet. Ganz am Anfang seiner Crailsheimer Pfarrerzeit ist Adam Weiß den Ideen Zwinglis nicht abgeneigt. Er schickt einen ­Kaplan 1522 nach Zürich, um die dortige Lehre zu studieren. Doch das ist nur ein Intermezzo. Weiß gerät immer mehr unter den Einfluss des Schwäbisch Haller Predigers Johannes Brenz, eines überzeugten Lutheraners. 

Adam Weiß schafft es in die erste Reihe der Reformatoren angekommen, doch ihm bleibt nicht mehr viel Zeit: Bereits 1534 stirbt Adam Weiß im Alter von 54 Jahren. Rund 300 Jahre wird Crailsheim eine rein evangelische Stadt bleiben. Erst im 19. Jahrhundert, als Crailsheim über den Umweg Preußen und Bayern schließlich an Württemberg geht, beginnt sich allmählich auch eine katho­lische Gemeinde zu ­etablieren.

Vermächtnis: Die Bibliothek und die „Liberei“

Von Adam Weiß haben sich kein Bildnis und keine Predigt erhalten. Wohl allerdings gibt es noch seine Bibliothek, die er mit zahlreichen Anmerkungen der Stadt vermacht hat. Jahrelang war sie in seinem Wohnhaus am Kirchplatz 6 unter­gebracht. Im 19. Jahrhundert wurde es durch einen Neubau ersetzt. Zum Gedenken an Weiß und seine Bücher heißt der Ort bis heute trotzdem „Liberei“ – die zweite Station auf dem Reformationsweg.