Seit Frühjahr 2015 trägt Crailsheim den offiziellen Titel „Reformationsstadt Europas“. Hier haben sich markante Dinge ereignet. Ganz am Anfang seiner Crailsheimer Pfarrerzeit ist Adam Weiß den Ideen Zwinglis nicht abgeneigt. Er schickt einen Kaplan 1522 nach Zürich, um die dortige Lehre zu studieren. Doch das ist nur ein Intermezzo. Weiß gerät immer mehr unter den Einfluss des Schwäbisch Haller Predigers Johannes Brenz, eines überzeugten Lutheraners.
Adam Weiß schafft es in die erste Reihe der Reformatoren angekommen, doch ihm bleibt nicht mehr viel Zeit: Bereits 1534 stirbt Adam Weiß im Alter von 54 Jahren. Rund 300 Jahre wird Crailsheim eine rein evangelische Stadt bleiben. Erst im 19. Jahrhundert, als Crailsheim über den Umweg Preußen und Bayern schließlich an Württemberg geht, beginnt sich allmählich auch eine katholische Gemeinde zu etablieren.
Von Adam Weiß haben sich kein Bildnis und keine Predigt erhalten. Wohl allerdings gibt es noch seine Bibliothek, die er mit zahlreichen Anmerkungen der Stadt vermacht hat. Jahrelang war sie in seinem Wohnhaus am Kirchplatz 6 untergebracht. Im 19. Jahrhundert wurde es durch einen Neubau ersetzt. Zum Gedenken an Weiß und seine Bücher heißt der Ort bis heute trotzdem „Liberei“ – die zweite Station auf dem Reformationsweg.