25 Jahre Alpha & Omega

Alpha & Omega: Ein Blick hinter die Kulissen

Vor 25 Jahren wurde die erste Folge der christlichen Talksendung Alpha & Omega im Fernsehen ­ausgestrahlt. Produziert werden die Sendungen unter anderem von Redakteurinnen aus dem Ev. Medienhaus Stuttgart – eine von ihnen ist Juliane Eberwein. Von Katharina Hirrlinger

Heidrun Lieb im Bildschirm einer Kamera
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Behind the Scenes – Moderatorin Heidrun Lieb bei der Aufzeichnung einer Alpha & Omega-Sendung.

Im April 1999 wurde die erste Folge  von Alpha & Omega ausgestrahlt. Nach dem „Wort zum Sonntag“ ist Alpha & Omega die langlebigste kirchliche Sendung im deutschen Fernsehen. Vor 25 Jahren wurde sie von Elmar Haas und Tobias Glawion, der heute Chefredakteur im Evangelischen Gemeindeblatt ist, moderiert. Die ersten Gäste: der evangelische Landesbischof Eberhardt Renz und der katholische Weihbischof Thomas Maria Renz. Tobias Glawion entwickelte damals das Konzept der Sendung mit und verantwortete einen großen Teil der Redaktion. Durch die Talksendung wollten sich die Kirchen damals moderner aufstellen und den Missionsauftrag – zu den Menschen zu gehen, die auch vor den Fernsehern sitzen – erfüllen, erklärt Tobias Glawion.

Der Kernauftrag ist derselbe geblieben, auch wenn sich die Sendung seitdem sehr stark verändert hat. Beispielsweise liefen die Moderatoren früher, wenn es das Thema ermöglichte, mit ihren Gästen zu verschiedenen Objekten im Studio. Heutzutage sitzen sie gemeinsam um einen halbrunden Tisch.

Die Sendung war immer am Puls der Zeit und hat sich weiter modernisiert – mit Blick auf das zu erreichende Publikum

sagt Tobias Glawion

Vier Männer im Fernsehstudio
Alpha & Omega Archiv
Die Anfänge von Alpha & Omega: Von links: Elmar Haas, der württembergische Landes­bischof Eberhardt Renz, Weihbischof Thomas Maria Renz und Tobias Glawion.
Juliane Eberlein im Studio von Alpha & Omega
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Juliane Eberwein moderiert Alpha & Omega vertretungsweise.

Seit 2016 ist Juliane Eberwein eine der Redakteurinnen, die die Alpha & Omega-Sendungen betreuen. Vertretungsweise moderiert sie diese, wenn Moderatorin Heidrun Lieb verhindert ist. „Alpha & Omega hat sich im Laufe der Jahre immer mehr auf die Fahne geschrieben, spannende Lebensgeschichten zu erzählen“, sagt Juliane Eberwein.

Gäste bei Alpha & Omega

Zu Gast waren beispielsweise Notfallseelsorger, ein Mensch mit Nahtoderfahrung oder Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch. Andere emotionale Geschichten hatten Menschen zu erzählen, die eine schwere Krankheit oder einen Unfall erlebt haben, oder Eltern, die Kinder mit einer Behinderung haben. Aber auch tierische Gäste gab es schon: gackernde Hühner in einer Ausgabe zum „Freiwilligen Ökologischen Jahr“ oder eine Hospiz-Hündin, die sterbenskranken Menschen in ihren letzten Wochen und Monaten zur Seite steht.

Bei Alpha & Omega geht es nicht um die klassische Verkündigung – christliche Themen werden hier im weiten Sinne verstanden. Am Beispiel von Tamara Röske, einem Model mit Downsyndrom, die im April dieses Jahres in der Talksendung zu Gast war, lässt sich das gut erkennen, denn über Glauben und Kirche hat Tamara Röske nicht gesprochen.

Doch man kann von ihrer Lebenseinstellung so viel lernen. Sich selbst anzunehmen, wie man ist, ist eine zutiefst christliche Botschaft. Das transportiert das Evangelium.

sagt Juliane Eberwein

„In unseren Sendungen geht es nicht per se darum, was in der Bibel steht, sondern darum, dass sich die Kirche für gesellschaftliche Themen engagiert.“ Grenzen seien natürlich gegeben, wenn ein Thema überhaupt nichts mit der christlichen Welt und den Werten zu tun hat.

Themen bei Alpha & Omega

Um das jeweilige Thema für die Talksendungen festzulegen, gibt es zwei Herangehensweisen: „Entweder wir haben zuerst einen Gast mit spannender Geschichte oder wir haben ein spannendes Thema, zu dem wir dann den passenden Gast suchen“, erklärt Juliane Eberwein. Letzteres sei deutlich zeitaufwändiger, auch wenn Juliane Eberwein in der Sendungsvorbereitung mittlerweile sehr routiniert ist.

Eine meiner ersten Sendungen war das Thema Magersucht – da war es sehr schwer, jemanden zu finden, der sich in die Sendung setzen will.

erinnert sich Juliane Eberwein

Auch beim Thema Kinderlosigkeit war es für sie schwer, Gäste zu finden, die die vielen unterschiedlichen Aspekte des Themas abbilden. Die Gastrecherche habe sie mehrere Tage beschäftigt.

Das ist meist so, wenn die Sendung vom Thema aus konzipiert wird. Dann schreibe sie eine Vielzahl an Organisationen an, tritt diversen Gruppen in Sozialen Netzwerken bei. Das alles fällt weg, wenn die Sendung vom Gast ausgehend konzipiert wird.

Wie bereitet man eine Alpha & Omega-Sendung vor?

Als Redakteurin unterhält sich Juliane Eberwein immer zweimal mit den Gästen. Im ersten Vorgespräch geht es darum herauszufinden, ob sich die Gesprächspartner für einen TV-Auftritt eignen und sich diesen auch zutrauen.

In einem nächsten Gespräch geht es darum, das Thema der Talksendung zu vertiefen und zu erklären, wie die Sendung ablaufen wird. „Ich erkläre im Vorhinein immer, dass ich nicht die Moderatorin der Sendung sein werde“, sagt Juliane Eberwein. Ein Vorgespräch kann bis zu anderthalb Stunden dauern. Es wird versucht, alle Details aus den Geschichten der möglichen Gäste zu erfahren, um die Sendung rund zu gestalten. Bei mehreren Studiogästen kommt es darauf an, dass sich die Geschichten ergänzen. Nur so bekommt das Publikum eine spannende und abwechslungsreiche Sendung.

Als Redakteurin ist es meine Aufgabe, unsere Moderatorin gut auf ihre Sendungsgäste vorzubereiten.

sagt Juliane Eberwein

Dafür schreibt sie ein ausführliches Dossier über den Gast oder die Gäste, sie notiert mögliche Fragen der Moderatorin und formuliert das Ziel der Sendung – welchen Mehrwert und welche Informationen die Zuschauerinnen und Zuschauer letztendlich aus der Sendung erhalten sollen. Kurz vor der Sendung führen die jeweiligen Moderatorinnen und Moderatoren auch nochmal ein Gespräch mit den Gästen.

„Wenn es wirklich schnell gehen muss, kann ich eine Sendung in drei Tagen auf die Beine stellen. Manchmal dauert es aber bis zu sechs Tage“, sagt die Redakteurin. Der Umfang stehe und falle mit dem Thema und den Gästen. Das alles geht mit Erfahrung und Routine. Wer noch kaum Sendungen gemacht hat, braucht länger. Das lernen auch die Volontärinnen und Volontäre im Evangelischen Medienhaus, die während ihrer Ausbildung ebenfalls die Redaktion einer Sendung übernehmen. Bei diesen kann die Sendungsvorbereitung noch etliche Wochen dauern.

Regieraum mit vielen Bildschirmen und Schaltpulten
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So sieht es im Regieraum bei Alpha & Omega aus.

Die wöchentlichen Alpha & Omega-Sendungen werden einmal im Monat im Stuttgarter Römerkastell bei der Produktionsfirma RegioTV aufgezeichnet. An einem Tag entstehen dann vier Sendungen – zwei aus der Redaktion des Evangelischen Medienhauses Stuttgart und zwei aus der katholischen Redaktion KiP-TV. Alpha & Omega wird nach dem sogenannten „Live-on-Tape“-Prinzip aufgenommen. Das bedeutet, die Sendung wird unter Live-Bedingungen produziert und im Anschluss nur noch geringfügig verändert – beispielsweise können noch Bilder eingeblendet werden, die während der Sendung nicht zur Verfügung standen. Das passiert jedoch sehr selten.

„Kameras machen nervös"

Dass Gäste beim Vorgespräch selbstbewusst waren und sich gut ausdrücken konnten, dann aber in der Sendung so nervös werden, dass sie sich häufig versprechen, kommt ab und zu vor – gerade dann, wenn ihnen bewusst wird, dass die Sendung nicht wiederholt werden kann. „Auch die Kameras machen manche Gäste sehr nervös“, erklärt Juliane Eberwein. Für manch einen Gast sei es auch neu, dass sie von einer Visagistin geschminkt und mit einem Mikrofon verkabelt werden.

„Mein größter Erleichterungsmoment ist, wenn alle Gäste ankommen“, sagt Juliane Eberwein. Einmal sei es bereits passiert, dass ein Gast den Aufzeichnungstermin vergessen hatte. Auch kann es sein, dass die Gäste im Stau stehen. Wenn ein Gast krank wird, ist es möglich, die Sendung im nächsten Monat zu wiederholen. Dann werden fünf statt vier Sendungen aufgezeichnet. Oder es muss auf die Schnelle ein neuer Gast gefunden werden. „Es ist ein fragiles System, aber das funktioniert erstaunlich gut“, sagt Juliane Eberwein.