Im April 1999 wurde die erste Folge von Alpha & Omega ausgestrahlt. Nach dem „Wort zum Sonntag“ ist Alpha & Omega die langlebigste kirchliche Sendung im deutschen Fernsehen. Vor 25 Jahren wurde sie von Elmar Haas und Tobias Glawion, der heute Chefredakteur im Evangelischen Gemeindeblatt ist, moderiert. Die ersten Gäste: der evangelische Landesbischof Eberhardt Renz und der katholische Weihbischof Thomas Maria Renz. Tobias Glawion entwickelte damals das Konzept der Sendung mit und verantwortete einen großen Teil der Redaktion. Durch die Talksendung wollten sich die Kirchen damals moderner aufstellen und den Missionsauftrag – zu den Menschen zu gehen, die auch vor den Fernsehern sitzen – erfüllen, erklärt Tobias Glawion.
Der Kernauftrag ist derselbe geblieben, auch wenn sich die Sendung seitdem sehr stark verändert hat. Beispielsweise liefen die Moderatoren früher, wenn es das Thema ermöglichte, mit ihren Gästen zu verschiedenen Objekten im Studio. Heutzutage sitzen sie gemeinsam um einen halbrunden Tisch.
Die Sendung war immer am Puls der Zeit und hat sich weiter modernisiert – mit Blick auf das zu erreichende Publikum
sagt Tobias Glawion
Um das jeweilige Thema für die Talksendungen festzulegen, gibt es zwei Herangehensweisen: „Entweder wir haben zuerst einen Gast mit spannender Geschichte oder wir haben ein spannendes Thema, zu dem wir dann den passenden Gast suchen“, erklärt Juliane Eberwein. Letzteres sei deutlich zeitaufwändiger, auch wenn Juliane Eberwein in der Sendungsvorbereitung mittlerweile sehr routiniert ist.
Eine meiner ersten Sendungen war das Thema Magersucht – da war es sehr schwer, jemanden zu finden, der sich in die Sendung setzen will.
erinnert sich Juliane Eberwein
Auch beim Thema Kinderlosigkeit war es für sie schwer, Gäste zu finden, die die vielen unterschiedlichen Aspekte des Themas abbilden. Die Gastrecherche habe sie mehrere Tage beschäftigt.
Das ist meist so, wenn die Sendung vom Thema aus konzipiert wird. Dann schreibe sie eine Vielzahl an Organisationen an, tritt diversen Gruppen in Sozialen Netzwerken bei. Das alles fällt weg, wenn die Sendung vom Gast ausgehend konzipiert wird.
Als Redakteurin unterhält sich Juliane Eberwein immer zweimal mit den Gästen. Im ersten Vorgespräch geht es darum herauszufinden, ob sich die Gesprächspartner für einen TV-Auftritt eignen und sich diesen auch zutrauen.
In einem nächsten Gespräch geht es darum, das Thema der Talksendung zu vertiefen und zu erklären, wie die Sendung ablaufen wird. „Ich erkläre im Vorhinein immer, dass ich nicht die Moderatorin der Sendung sein werde“, sagt Juliane Eberwein. Ein Vorgespräch kann bis zu anderthalb Stunden dauern. Es wird versucht, alle Details aus den Geschichten der möglichen Gäste zu erfahren, um die Sendung rund zu gestalten. Bei mehreren Studiogästen kommt es darauf an, dass sich die Geschichten ergänzen. Nur so bekommt das Publikum eine spannende und abwechslungsreiche Sendung.
Als Redakteurin ist es meine Aufgabe, unsere Moderatorin gut auf ihre Sendungsgäste vorzubereiten.
sagt Juliane Eberwein
Dafür schreibt sie ein ausführliches Dossier über den Gast oder die Gäste, sie notiert mögliche Fragen der Moderatorin und formuliert das Ziel der Sendung – welchen Mehrwert und welche Informationen die Zuschauerinnen und Zuschauer letztendlich aus der Sendung erhalten sollen. Kurz vor der Sendung führen die jeweiligen Moderatorinnen und Moderatoren auch nochmal ein Gespräch mit den Gästen.
„Wenn es wirklich schnell gehen muss, kann ich eine Sendung in drei Tagen auf die Beine stellen. Manchmal dauert es aber bis zu sechs Tage“, sagt die Redakteurin. Der Umfang stehe und falle mit dem Thema und den Gästen. Das alles geht mit Erfahrung und Routine. Wer noch kaum Sendungen gemacht hat, braucht länger. Das lernen auch die Volontärinnen und Volontäre im Evangelischen Medienhaus, die während ihrer Ausbildung ebenfalls die Redaktion einer Sendung übernehmen. Bei diesen kann die Sendungsvorbereitung noch etliche Wochen dauern.