2. Petrus 3,3-13 (in Auszügen)
Eins aber sei euch nicht verborgen, ihr Lieben, dass ein Tag vor dem Herrn wie tausend Jahre ist und tausend Jahre wie ein Tag. Der Herr verzögert nicht die Verheißung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Buße finde. Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.
Und ich kann die Ungeduld und die Sehnsucht nach empfinden. Die Ungeduld, wenn ein heißersehnter, lieber Mensch einfach nicht auftaucht. Und die Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Dass Menschen andere nicht mehr unterdrücken. Dass alle zu essen und ein Dach über dem Kopf haben. Und Brot und Wein, Glück und Schmerz miteinander teilen. Ausgeblieben ist der heißersehnte Gast freilich bis heute. Warum kommt er nicht?
Die Bibel weiß doch, dass tausend Jahre vor Gott wie ein Tag sind, erinnert der Petrusbrief. Es kann also noch werden. Und: Gott ist geduldig. Noch fährt er nicht dazwischen. Noch haben die Menschen die Chance, es gutzumachen. Andere Stimmen der Bibel sagen: Christus ist doch längst unter euch. Kommt euch ent gegen in den Hungrigen und Gefangenen und Ein samen. Macht die Augen auf. Und seht, wo überall Gottes Reich blüht – hier und da.
Mag sein, dass das Bild von Christus, der auf einer Wolke wiederkommt, heute altmodisch erscheint. Aber die Botschaft in diesem Bild rührt mich an und die möchte ich mir und unserer Kirche bewahren. Die Ungeduld und Sehnsucht nach Frieden und Gerechtig keit. Ja, und auch die Hoffnung auf ein Gericht. Die Mörder dürfen nicht davonkommen. Sie dürfen nicht auch noch am Ende triumphieren und es darf nicht so sein, als sei nichts gewesen. Und dass Gott geduldig ist, geduldig mit seinen Menschenkindern, und auch mit mir – auch das lese ich dem Petrusbrief gern von den Lippen. Es muss eine wahrhaft göttliche Geduld sein. Was hat Gott nicht alles ansehen müssen in der Ge schichte der Menschheit – und welch Wunder, dass er noch nicht kam. Und dass der Regenbogen immer wieder erscheint, auch wenn es so viele Gründe gab, die Erde noch einmal zu fluten.
Wir lesen und hören den Text an diesem Sonn tag im Angesicht unserer Toten. Im Angesicht der Alten, die endlich gehen durften und sanft einschliefen. Derer, die sich quälten und so viel ertrugen. Derer, die in einem Moment herausgerissen wurden aus dem Leben. Derer, die viel zu früh starben und so viel noch vor sich hatten. Wir lesen und hören den Text im Angesicht unserer eigenen Sterblichkeit. Ich ahne in diesem Text einen neuen Himmel. In dem all die Toten aufgehoben sind zu Gottes neuem Himmel. Und Wunden geheilt und Tränen getrocknet.
Du Gott der Lebenden und der Toten, wir bitten dich: Berge unsere Toten in deiner Liebe.
Vollende an ihnen, was unvollendet und unerfüllt blieb. Sammle unsere Tränen um sie und bette allen Schmerz in deinem Segen. Lass deinen neuen Himmel und deine neue Erde anbrechen. Und mache uns zu Menschen, die deinem Kommen den Weg bereiten. Amen.
Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.