Es gibt Worte, die über Jahrhunderte hinweg nichts an Bedeutung verlieren. Worte, die Menschen in schwierigen Zeiten Orientierung und Trost schenken. Der Apostel Paulus schrieb vor fast 2000 Jahren an die Gemeinde in Korinth, eine Stadt voller Gegensätze, in der Spannungen und Konflikte zum Alltag gehörten. Seine abschließenden Zeilen im zweiten Korintherbrief mit den eingangs zitierten Versen 11 bis 13 klingen wie ein Appell: nicht nur an die Christen damals, sondern auch an uns heute.
Es ist eine Botschaft, die in unserer Zeit kaum aktueller sein könnte. Wir leben in einer Welt voller Unsicherheiten, in der oft Konflikte und Spaltungen den Ton angeben. Unterschiedliche Meinungen führen schnell zu Streit und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen, scheint immer seltener zu werden. Doch genau dazu ruft Paulus auf: zur Freude, zur Einheit, zum Frieden.
„Freut euch“ – dieser einfache Aufruf steckt voller Kraft. Es geht nicht um oberflächliches Glück oder ein Leben ohne Sorgen. Paulus selbst kannte Leid, Verfolgung und Entbehrung. Und doch ermutigt er dazu, sich an den kleinen Dingen zu freuen, die Hoffnung nicht zu verlieren und das Gute zu sehen – in sich selbst, in anderen und in der Welt.
„Seid auf Einigkeit aus.“ Unsere Gemeinschaft lebt vom Geben und Nehmen, von Respekt und Wertschätzung. Paulus spricht nicht von Gleichmacherei oder dem blinden Nachgeben in Diskussionen. Vielmehr geht es darum, Unterschiede auszuhalten, andere zu stärken und sich auf das zu besinnen, was verbindet. Unsere Gesellschaft und unsere Landeskirche brauchen keine ständige Polarisierung, sondern Menschen, die Brücken bauen und den Dialog suchen.
„Lebt in Frieden miteinander.“ Für mich persönlich ist Frieden mehr als die Abwesenheit von Konflikten. Er beginnt im Kleinen in der Art, wie wir miteinander sprechen, wie wir zuhören, wie wir uns begegnen. Es ist leicht, Missverständnisse und Streit weiterzutragen, aber es braucht Mut, aktiv zum Frieden beizutragen. Paulus erinnert daran, dass wir dabei nicht allein sind: Wo Menschen Frieden suchen, ist auch Gott gegenwärtig.
Zum Abschluss seines Briefes gibt Paulus einen besonderen Segen mit auf den Weg. Diese Worte sind mehr als ein höflicher Schlussgruß. Sie fassen zusammen, worauf es ankommt: Gnade, Liebe und Gemeinschaft. Gnade bedeutet, sich selbst und anderen Fehler zu vergeben. Liebe ist die Kraft, die uns trägt und verbindet. Und Gemeinschaft, das Miteinander, ist die Basis für ein gelingendes und erfülltes Leben.
Vielleicht können wir uns von diesen alten, aber zeitlosen Worten inspirieren lassen: Freude, Einigkeit und Frieden. Ein großer Wunsch für unser eigenes Leben, für unser Bundesrepublik, aber auch für unsere Landeskirche.