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Impuls

Aufstehen aus Vertrauen

Impuls für den 12. Sonntag nach Trinitatis: Apostelgeschichte 3,1-10.

Apostelgeschichte 3,1-10

Petrus und Johannes gingen hinauf in den Tempel um die neunte Stunde, zur Gebetszeit. Und es wurde ein Mann herbeigetragen, der war gelähmt von Mutterleibe an; den setzte man täglich vor das Tor des Tempels, damit er um Almosen bettelte. Als er nun Petrus und Johannes sah, wie sie in den Tempel hineingehen wollten, bat er um ein Almosen. Petrus aber blickte ihn an mit Johannes und sprach: Sieh uns an! Und er sah sie an und wartete darauf, dass er etwas von ihnen empfinge. Petrus aber sprach: Silber und Gold habe ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich dir: Im Namen Jesu Christi von Nazareth steh auf und geh umher! Und er ergriff ihn bei der rechten Hand und richtete ihn auf. Sogleich wurden seine Füße und Knöchel fest, er sprang auf, konnte stehen, ging mit ihnen in den Tempel, lief und sprang umher und lobte Gott. Und es sah ihn alles Volk umhergehen und Gott loben. Sie erkannten ihn auch, dass er es war, der vor dem Tor des Tempels gesessen und um Almosen gebettelt hatte; und Verwunderung und Entsetzen erfüllte sie über das, was ihm widerfahren war.

Porträt von Sabine Löw
privat
Sabine Löw ist Pfarrerin in Stuttgart-Vaihingen.

In der Armutsbewegung des 13. Jahrhunderts spielten die Worte des Petrus „Gold und Silber habe ich nicht“ eine bedeutende Rolle. Es gibt dazu eine Legende, die erzählt, dass der damalige Papst Franz von Assisi bei einem Besuch in Rom den Reichtum der Kirche voller Stolz vorführte. Mit großem Gestus meinte der Kirchenobere dann: „Jetzt muss Petrus nicht mehr sagen: Gold und Silber habe ich nicht.“ Franz von Assisis Antwort folgte auf dem Fuße: „Jetzt kann er aber auch nicht mehr sagen: Steh auf und geh umher!“

Diese Anekdote berührt mich tief und lässt mich nicht los. Sie trifft bei mir einen wunden Punkt. Wir verlieren gerade als Kirche an Reichtum – nicht nur an Geld, auch an Einfluss und Bedeutung. Wir werden kleiner, Strukturen brechen weg, Stellen werden gestrichen, engagierte Menschen weniger; wir kennen das alle. Aber gleichzeitig ist da bei allem Schmerz auch eine neue Chance, zurück zum Kern und zu unseren Wurzeln zu kommen. Ein neuer Weg zu Kraft und neuem Glauben steckt darin. Was ist das für eine Freude, als der gelähmte Mann aufsteht. Ja, er springt auf. Er tanzt. Er lobt Gott. Was für ein Moment! Keine große Show, keine Sammlung, keine Strategie. Nur Glaube. Nur ein Name. Und eine ausgestreckte Hand.

Haben wir heute noch diesen Mut? Dieses Vertrauen? Oder schauen wir erst auf den Haushalt, die Gemeindestatistik, das Gebäude? Wie oft sagen wir innerlich: „Das geht nicht, das können wir nicht leisten“ – bevor wir überhaupt gefragt haben, was Gott eigentlich tun kann? Vielleicht ist diese Zeit des Weniger die Einladung, wieder auf den Namen zu vertrauen, in dem alles möglich ist, nämlich im Namen Jesu Christi von Nazareth. Vielleicht wächst gerade in der Schwäche die größte Stärke. Der Mann, der gelähmt war, konnte sich nicht selbst heilen. Aber er war offen. Er war da. Petrus hatte nichts – außer Glauben, einen großen Glauben. Den hat er weitergegeben.

Ich wünsche uns den Mut, wieder mehr zu erwarten. Nicht von uns – sondern von unserem dreieinigen Gott. Dass wir Hände ausstrecken. Dass wir aufstehen. Dass wir anderen aufhelfen. Dass wir wieder sagen können: Im Namen Jesu Christi von Nazareth – steh auf und geh. Nicht aus eigener Kraft. Aber aus einem Vertrauen, das Berge versetzt. Auch wenn es klein wie ein Körnchen ist. Es genügt. 

Gebet

Jesu Christi von Nazareth, schenke mir mehr Glauben und Vertrauen, dass aufstehen, neu gehen und tanzen können möglich sind. Bei mir selbst, bei meinen Mitmenschen und auch bei uns in den Gemeinden. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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