Die Gütergemeinschaft in den ersten Jahren der Christenheit liest sich in Apostelgeschichte so, wie ich mir das kommunistische Idealbild vorstellen würde: Niemand leidet Not, alle haben genug. Keiner beansprucht mehr für sich als die anderen haben. Diese Zeilen könnten fast ein kommunistisches Herz in uns zum Schlagen bringen. Ist nicht genau dieser Gedanke, dass alle bekommen, was sie wirklich brauchen, und alle genau das einbringen, was sie beitragen können, wortwörtlich bei Karl Marx zu finden? „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen!“ Sollten Christen also Kommunisten sein?
Biblische Anhaltspunkte hätten wir genug. Gott hat sich schon immer dafür eingesetzt, dass reiche Menschen sich dem Gemeinwohl verpflichtet sehen. Bereits die alten Sozialkonzepte im Ersten Testament sahen vor, dass spätestens alle 50 Jahre ein Ausgleich stattfindet, und etwa Schulden erlassen werden. Jesus nennt gerade die Armen „selig“, wenn er in der Bergpredigt beschreibt, wem Gottes Liebe und Zuwendung gilt.
In einem seiner eindrücklichsten Gleichnisse beschreibt Jesus dagegen den reichen Kornbauern, dem all sein Reichtum nichts nützt, den er für sich selbst und sein Auskommen behalten möchte, weil er bald sterben wird. Vor dem himmlischen Thron aber ist sein Vermögen unnötig.
Heute, in der Politik, in der öffentlichen Meinungsführerschaft ist das leider völlig anders. Reiche und Superreiche haben übergroßen Einfluss auf die politische Willensbildung. Sie kaufen Zeitungen oder Fernsehsender auf, verbreiten Fake News über Soziale Medien; selbst manche demokratisch gewählte Regierung wird regelrecht „gekauft“, um dem Willen der Reichsten gefällig zu sein.
Müssen wir als gute Christinnen und Christen, die wir durch die Apostelgeschichte an die Anfänge des Christentums erinnert werden, also wirklich Kommunisten werden? Soweit müssen wir meiner Meinung nach nicht gehen. Ich halte auch nicht viel davon, jeglichen Privatbesitz abzuschaffen. Denn ich bin überzeugt, dass Gott uns gerne ein bisschen etwas gönnt, auch an Besitz und Lebensqualität. Und ich denke, es tut allen Menschen gut, individuell ihre Auswahl zu treffen, was sie für sich selbst wichtig finden.
Aber die Mahnung bleibt: Es gibt für viele Menschen auf unserer Erde ein „zu wenig“, was teilweise mit dem „zu viel“ an anderen Stellen zusammenhängt. Und es konzentriert sich immer mehr Reichtum auf wenige Menschen.
Deshalb ist die Einmischung von Christinnen und Christen gottgewollt, um Armut zu bekämpfen. Im Sinne Jesu, ja sogar im Auftrag des gerechten Gottes, sollen wir immer wieder unsere Stimmen erheben, damit die Schere zwischen Arm und Reich nicht noch weiter auseinandergeht.
Lebensverhältnisse entsprechend anzugleichen, in Deutschland, im christlichen Europa, auf Gottes ganzer Erde, sind politische Entscheidungen. Wir als Christinnen und Christen können aber zumindest Gott aus tiefstem Herzen bitten, uns zu helfen, auch in Fragen der Wirtschaft seine göttliche Gerechtigkeit niemals aus den Augen zu verlieren. Damit wir unser eigenes Leben so gestalten, dass es der Lehre Jesu entspricht, so wie es die ersten Christen in der Apostelgeschichte getan haben.