Psalm 24 (in Auszügen)
Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr, stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit. Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe! Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre.
Ich habe bei diesen Weihnachtsgottesdiensten der eva jedoch gelernt, dass es sehr viel mehr ist als ein symbolisches Wort, die Tore und Türen weit zu öffnen. Es bedeutet nämlich auch, auf den eigenen Raum der Sicherheit zu verzichten. Bereit dafür zu sein, andere Menschen mitgestalten und mitentscheiden zu lassen. Wer Türen öffnet, begegnet dem Leben.
„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch!“ Jedes Jahr feiern wir den Auftakt in die Adventszeit mit diesen fulminanten Worten des Aufbruchs und der Erwartung. In diesem Jahr sprechen die Worte aus Psalm 24 in eine Welt, in der Tore herunterrasseln und Türen geschlossen werden. Türen in Form von Grenzen, die die Fronten verhärten und nationale Tendenzen -erstarken lassen. Grenzen, die den einen scheinbare Sicherheit verheißen.
Und auch bei uns vor der Haustür -werden Türen und Tore geschlossen: Politische Ansichten radikalisieren sich, die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander, die Angst vor fremden Lebensweisen wandelt sich in Hass.
Zu Beginn der Adventszeit 2023 werden wir gefragt: Wo öffnen wir Tore und Türen? Wo und wie tragen wir dazu bei, Räume der respektvollen Diskussion zu öffnen? Diese Frage richtet sich an jede und jeden Einzelnen von uns – aber auch an uns als Gemeinschaft der Kirchen. Heute am 1. Advent träume ich von einer Kirche, die sich nicht in ihre Schutzburg zurückzieht, sondern die Tore und Türen weit öffnet und sich damit auch aussetzt – anderen Meinungen und anderen Lebens-erfahrungen.
„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ Ich glaube, dass wir damals bei „eva’s Stall“ auch dem König der Ehre die Türen geöffnet haben. Vielleicht in Gestalt der jungen Frau, die mit ihrer Tochter zu Besuch kam und sich riesig über das Geschenk für ihr Kind freute. Vielleicht in Gestalt des älteren Mannes, der vor lauter Weihnachtsfreude seine Mundharmonika auspackte und -allen ein Ständchen spielte. Ich wünsche mir, dass wir als Kirche die Tore und Türen für unsere Mitmenschen weit öffnen. Mögen wir dabei dem begegnen, den wir so sehnsuchtsvoll erwarten: den König der Ehre.
Gott, zieh du ein durch meine Türen der Angst, mach es hell in mir. Gott, zieh du ein durch meine Türen
der Hilflosigkeit, pflanze deine Hoffnung in mich. Gott, zieh du ein und schenke mir Mut, die Türen meines Herzens zu öffnen. Amen.
Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.