Direkt zum Inhalt
Impuls

Den Weg gehen

Impuls zu Neujahr: Johannes 14,1-6.

Johannes 14,1-6

Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst; wie können wir den Weg wissen? Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Pfarrerin Veronika Bohnet
privat
Veronika Bohnet war vor ihrem Ruhestand Pfarrerin in Waiblingen.

Im Neuen Testament ist das Herz der Sitz von Verstand und Willen. Auch in diesem erweiterten Sinn ist die Welt für mich erschreckend geworden. Sicherheiten zerbröseln, Wahrheit ist unerwünscht, Frieden ist nirgends mehr sicher, Bündnisse stehen auf Treibsand, die Zerstörung der Welt schreitet voran. Wir brauchen eine Ermutigung. „Euer Herz erschrecke nicht!“, sagt Jesus. Er meint nicht: „Kopf hoch, das wird schon wieder!“

Jesus nimmt Abschied von seinen Jüngern. Er weiß, dass er bald sterben wird. Er wird nicht mehr da sein, um ihnen zu helfen, und ihnen stehen entsetzliche Zeiten bevor. Deshalb will er sie handlungsfähig machen. Sie sollen resilient werden. Resilienz ist ein Lieblingswort der Psychologie. Der lateinische Begriff bedeutet, dass etwas abprallt, nicht anhaftet. Ein resilienter Mensch übersteht Schicksalsschläge innerlich weitgehend unbeschadet. Möglicherweise kann man daraus sogar gestärkt hervorgehen. Resiliente Kinder gelten als anpassungsfähig, belastbar, aufmerksam, neugierig und voller Selbstvertrauen.

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Es soll Widerstand leisten können. Aber was bietet Jesus an, was kann die Jünger und uns so stärken, dass wir resilient werden im Strudel einer unberechenbaren und immer gefährlicher werdenden Zeit? Die Jünger sind verunsichert. Sie sehen kein Ziel vor Augen. Ihre Gegenwart macht ihnen Angst, und für die Zukunft droht der Untergang der ihnen bekannten Welt. Da ist kein Weg, den sie sicher gehen könnten. Wenn Jesus fortgegangen ist, werden sie nicht mehr aus noch ein wissen.

Jesus begegnet ihnen mit einem ganz alten biblischen Wort. Er sagt: „Ich bin.“ Mose wird von Gott aus einem brennenden Dornbusch angeredet und bekommt einen schier unmöglich zu erfüllenden Auftrag: Er soll zurück zum Pharao gehen, der ihm nach dem Leben trachtet, und von ihm die Freiheit der versklavten Israeliten verlangen. „Wer bist du?“, fragt Mose entsetzt. „In wessen Auftrag soll ich gehen?“ Gott antwortet nur: „Ich bin!“ In dem kleinen Satz steckt eine ganze Welt. „Geh den Weg mit mir“, sagt Gott. „Du wirst mich unterwegs kennenlernen.“

„Ich bin“ ist aus dem Mund Jesu eine göttliche Festlegung. „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“ Alles, was Jesus tat, wird wichtig, alles, was er predigte und was er vorgelebt hat. Die Jünger haben es erlebt, jetzt sollen sie danach handeln. Die Wahrheit wird besonders hervorgehoben. Für ein resilientes Leben ist sie unerlässlich, und gehaltene Versprechen sind das unverhandelbare Fundament jeder Beziehung.

Aber wer auf den Weg Jesu schaut, sieht auch Barmherzigkeit, Vergebung und Empathie, Verantwortung für diese Erde, für die Menschen, für alles, was lebt. All das ist einleuchtend und leicht zu verstehen. Wenn alle mitmachen würden, wäre es ganz einfach zu verwirklichen.

Der Weg Jesu eröffnet eine neue Chance für uns. „Siehe, ich mache alles neu“, heißt es in der Jahreslosung für das Jahr 2026. Das ist keine hilflose Vertröstung. Jesus nimmt Abschied. Aber in der Zeit bis zum Wiedersehen machen sich seine Jünger erhobenen Hauptes auf den Weg. Sie wissen, dass genau dieser Weg in Gottes neue Welt führt, auch wenn man gerade wenig davon sieht.

Gebet

Vater im Himmel, Unser Leben ist ein Frommwerden. Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg. Bitte lass uns dabei nicht allein! Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

Weitere Impulse