„Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir“, heißt es in einem Lied von Peter Strauch (EG 628). Ein Liedvers zum Altjahresabend, der uns stärkt zum mutigen Schritt hinüber ins neue Jahr.
Für einen tiefen Moment ganz ruhig werden, bevor wir den Silvesterabend feiern, hoffentlich fröhlich, manche auch mit Feuerwerk und Korkenknall. Innerlich wünsche ich mir, was Ingo Zamperoni uns abends in den Tagesthemen wünscht: „Bleiben Sie zuversichtlich“. Manchmal antworte ich ihm murmelnd: „Ach ja, wer kann denn zuversichtlich bleiben, wenn man wieder gesehen hat, was in der Welt so los ist?“
Doch ein Hauch von Sehnsucht erfüllt mich. Sehnsucht nach innerer Ruhe, Glaubenskraft, nach göttlicher Geistkraft – wenigstens nach einer Ahnung davon. Ruhe finden in Gottes Geborgenheit, ihm vertrauen, tief im Herzen, dass er alles wenden kann. Ach, möge er es tun! Ein „köstlich Ding“ wäre es, so glauben zu können und reine Gnade. Das kann nur Gott allein bewirken. Mögen wir ihn wieder erkennen, den alten treuen Gott, der uns schon so oft und unermüdlich zur Seite war. Manchmal haben wir ihn gar nicht bemerkt, und doch war er da, nah an unserer Seite. Wem sonst sollten wir trauen? Wer sonst hat die Macht, unsere Wege zu begleiten und vieles zum Guten zu wenden!
Die Welt verändert sich in atemberaubender Geschwindigkeit. Eine Zeit der tiefen Erschütterungen liegt hinter uns. Junge Leute fühlen sich bisweilen ihrer Zukunft beraubt. Nach Corona kamen die Kriege, dann der Rechtsruck in vielen Ländern – und eben auch bei uns. Sie haben Angst, dass sie eines Tages selbst in den Krieg ziehen müssen. Sie fürchten, bis 75 arbeiten zu müssen und später die vielen „Boomer“ versorgen zu sollen – aber wie?
Wir müssten naiv sein, zu glauben, dass Frieden und Gerechtigkeit einziehen, dass Extremismus der Vernunft weicht, und Toleranz und Verständnis triumphieren. Könnte es wirklich geschehen, dass wir die Klimaschäden in Griff bekommen und die Wahnsinnigen endlich zur Umkehr gelangen? Ist es vorstellbar, dass Menschen einander als geliebte Geschöpfe Gottes wertschätzen? Das kann durchaus gelingen da und dort durch menschliche Tatkraft und göttliche Geistkraft. Denn: Einer bleibt bei uns auf der Schwelle zum neuen Jahr, Christus bleibt – gestern, heute und in Ewigkeit. Christus, dessen Liebe stärker ist als der Tod. Er bleibt unser Halt in einer Welt des beständigen Wandels.
Das macht die Welt nicht in Gänze besser und die Zukunft nicht rosarot. Aber – dieses Versprechen ermutigt mich ungemein! Komme was da komme: Wir gehen nicht allein, mühen uns nicht allein, leben und sterben nicht gottverlassen, sondern behütet. Wir bleiben von guten Mächten wunderbar geborgen. Und jedes neugeborene Kind bringt die Botschaft, dass Gott sein Vertrauen in die Menschheit noch nicht verloren hat. Lassen wir uns nicht durch Prognosen erschüttern. Tun wir das, was wir selbst vermögen und vertrauen wir seiner Gnade. Christus spricht: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“