„Was hilft’s“, seufzt eine Krankenschwester, die mit Anfang zwanzig beschlossen hatte, einen sinnvollen Job anzufangen: „Schon wieder ist eine Kollegin ausgefallen.“ Eigentlich hatte sie sich für heute Abend eine kleine Auszeit vorgenommen. Die fällt nun leider wieder ins Wasser. Stattdessen eilt sie von einem Leuchtsignal zum nächsten.
Ein Patient hat einfach Angst vor seiner Operation am nächsten Tag und drückte deshalb den Alarm. Erst war sie sauer, weil er nun wirklich keine medizinische Hilfe braucht. Und dann hat sie sich doch einen Moment zu ihm gesetzt und ihm die Hand gehalten, bis der nächste Patient geklingelt hat.
Wie gehen wir damit um, wenn wir unseren Glauben in die Tat umsetzen wollen, und doch ständig an unsere Grenzen stoßen? Nicht nur Menschen in der Pflege hadern damit, Nächstenliebe ganz konkret leben zu wollen, es aber immer wieder nicht zu schaffen. Zeitnot und vielerlei Überforderung hindern uns immer wieder daran. Dass der Glaube Quelle unserer Hoffnung, unseres Heils ist, wissen wir von Paulus. Nicht der Glaube macht selig – Gott macht selig. Gott gibt zuerst, bevor er nach Konsequenzen fragt.
Und doch: Was ist das für eine Gemeinschaft, wenn wir in unseren Gemeinden nicht auf die achten, die Hilfe dringend nötig haben? Oder wenn wir unseren Glauben mit salbungsvollen Worten ausdrücken: „Geh hin in Frieden, wärme und sättige dich,“ anstatt denjenigen, die nicht den Anforderungen unserer Gesellschaft gewachsen sind, helfend zur Seite zu stehen?
Die Frage des Jakobusbriefes lautet nicht: „Was nützt es mir“, sondern vielmehr: „Was hilft ein Glaube, der ohne Taten gelebt wird?“ Der Verfasser des Jakobusbriefes richtet sich bewusst nicht nur an Einzelne der christlichen Gemeinde, sondern an die Gemeinschaft der christlichen Gemeinde: Jeder von uns ist gefragt, verantwortlich zu handeln. Denn nur so können wir die Herausforderungen auch unserer Zeit gemeinsam meistern. Der Brief des Jakobus steht in der Tradition der weisheitlichen Lehre: Was wir tun und lassen, bleibt nicht ohne Folgen.
Ein paar Tage später bedankt sich der frisch operierte Mann bei der Krankenschwester: „Als Sie mir die Hand gehalten haben, hat mir das unheimlich viel Kraft für den nächsten Tag gegeben.“ Gut, dass immer wieder Menschen – trotz all ihrer Grenzen – ihren Glauben ganz konkret leben. Glaube kann auf ganz unterschiedliche Arten gelebt werden. Aber wenn der Glaube in unserem Leben keine Konsequenzen hat, bleibt er blutleer. Und Menschen, die Tag für Tag danach eifern, ihrem Glauben Taten folgen zu lassen, bei denen legt Gott seinen Segen auf ihr Tun und auf ihr Lassen.