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Impuls

Ich kann das nicht!

Impuls zum 9. Sonntag nach Trinitatis: Jeremia 1,4-10.

Jeremia 1,4-10

Und des Herrn Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr Herr, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der Herr sprach aber zu mir: Sage nicht: „Ich bin zu jung.“ Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der Herr. Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich setze dich heute über Völker und König­reiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Porträt von Cornelius Kuttler.
Foto: privat
Pfarrer Cornelius Kuttler leitet das Evange­lische Jugendwerk in Württemberg.

Die Berufungsgeschichte des Propheten Jeremia ist mehr als eine Erzählung aus längst vergangenen Tagen. Durch diese Worte schimmert ein Thema hindurch, das uns vielleicht auch beschäftigt: das Gefühl, etwas nicht zu können. Mag sein, wir haben die Stimme von an­deren im Ohr: „Das kannst du doch eh nicht!“ Oder wir denken dies selbst über uns. Und mag sein, dieses Gefühl hemmt uns innerlich. Wenn man oft genug hört: „Das kannst du nicht!“, dann glaubt man es irgendwann selbst.

Es war wahrscheinlich im Jahr 627 vor ­Christus, als Jeremia von Gott gerufen wurde. Damals erwartete man von geistlichen Lehrern Lebenserfahrung und Weisheit. Jeremia liegt mit der skeptischen Ein­schätzung gegenüber seiner Berufung darum nicht ganz falsch. Er ist tatsächlich zu jung in den Augen seiner Zeit. Aber Gott denkt anders.

Mich fasziniert, wie ehrlich die Begegnung zwischen Gott und Jeremia erzählt wird. Gott gibt einen Auftrag, aber Jeremia lehnt zunächst ab mit dem Hinweis auf sein geringes Alter. Es ist erstaunlich, wie Gott reagiert. Anders als die Trumps und Putins dieser Welt erträgt er Widerspruch und ermutigt Jeremia sogar mit einer emotionalen Botschaft: „Ich kannte dich schon immer!“ Das Wort, das in der hebräischen Sprache für „kennen“ steht, meint so viel wie „jemanden durch und durch kennen und lieben“.

Die Geschichte von der Berufung des Jeremia zeigt: Gott kommt mit unseren Zweifeln an uns selbst und an ihm gut zurecht. Wir brauchen uns nicht dafür zu schämen, wenn wir das Gefühl haben: „Ich kann das nicht“ oder „Ich kann nicht mehr.“ Bei Gott ist Raum für unsere Zweifel und unseren Widerspruch. Es geht um Ehrlichkeit, nicht um einen perfekten Glauben. Gott zeigte ­Jeremia liebevoll und behutsam, auf was es wirklich ankommt. Entscheidend ist nicht, was wir können oder was wir uns selber zutrauen. Es kommt darauf an, dass Gott uns durch und durch kennt und dass seine Liebe das feste Fundament unseres Lebens ist. Aus dem Vertrauen auf Gott heraus können wir unsere Grenzen ­akzeptieren und doch zugleich über uns hinauswachsen. Weil in uns ein Potential geweckt wird, das wir uns vielleicht nicht einmal selbst zugetraut hätten. Der Religions­philosoph Blaise Pascal formulierte: „Nicht auszu­denken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm überlassen!“

Gott hat den jungen und so wenig von sich überzeugten Jeremia zu einem der großen Propheten gemacht. Und zugleich hatte Jeremia kein leichtes Leben. Vielmehr deutet schon die Berufungsgeschichte an, dass er eine herausfordernde Botschaft predigen musste, die ihn an seine Grenzen brachte.

Gott verspricht kein leichtes Leben, aber er verspricht, uns ­mitten in dem nahe zu sein, was nicht leicht ist. Darin liegen Hoffnung und Mut für ein Leben, das über sich selbst hinauswächst.

Gebet

Guter Gott, du kennst unser Herz. Danke, dass wir unsere Schwächen nicht verstecken müssen. Mach uns frei von den inneren Stimmen, die uns sagen: „Du kannst nichts!“ Hilf uns, mutig und frei zu leben. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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