Offenbarung 3,7-13 (in Auszügen)
Und dem Engel der Gemeinde in Philadelphia schreibe: Das sagt der Heilige, der Wahrhaftige: Ich kenne deine Werke. Siehe, ich habe vor dir eine Tür aufgetan, die niemand zuschließen kann; denn du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt und hast meinen Namen nicht verleugnet. Siehe, ich werde einige schicken aus der Versammlung des Satans, die sagen, sie seien Juden, und sind’s nicht, sondern lügen. Weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren vor der Stunde der Versuchung, die kommen wird über den ganzen Weltkreis, zu versuchen, die auf Erden wohnen.
Doch mitten in der Verfolgung der Gemeinde in Philadelphia richtet das Buch der Offenbarung den Blick auf ein Licht, das in der vernichtenden Macht der Finsternis seine kleine Kraft entfaltet. Es sind besonders diese leisen und sensiblen Töne, die mich ansprechen und aufhorchen lassen. „Du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt ... und weil du mein Wort von der Geduld bewahrt hast, will auch ich dich bewahren.“
Es ist diese kleine Kraft, die bewahrt, die ausharrt und Geduld übt in einer Zeit, in der die großen zerstörerischen Kräfte ihre Macht entfalten. Es ist dieses kleine Wort von der Geduld, das in unsere Ungeduld, in unsere drängende Sehnsucht nach Frieden hineinspricht.
Wir beten, wir klagen, wir ringen mit Gott und sehnen uns im kleinen Licht des Advents nach dem großen Heil. Ungeduldig scharre ich mit den Füßen und halte meine eigene Ohnmacht nicht mehr aus. Doch „du hast eine kleine Kraft und hast mein Wort bewahrt!“ Es ist eine kleine Kraft mit großer Tragweite, die sich dieser lebenszerstörenden Kraft entgegenstemmt. Es ist eine Kraft, die aus dem tiefen Vertrauen entspringt, dass Gott diese Welt und alle Mächte in seinen Händen hält.
Advent ist keine Zeit der Ohnmacht und der Resignation, sondern des aktiven Wartens, Bewahrens und Standhaltens in allen Widerständen des Lebens und dieser Welt.
Und doch kann ich diesem Trostwort an die Gemeinde in Philadelphia nicht unwidersprochen gegenübertreten. Es ist nicht die „Synagoge des Satans“, die uns als Christen und Christinnen gegenübertritt. Im Gegenteil, gerade dort, wo wir aus dem Licht der jüdischen Verheißung heraustreten, öffnen wir dem Dunkel des Antisemitismus und des Rassismus Tür und Tor. Während wir an unseren Adventskränzen die zweite Kerze entzünden, brennt am jüdischen Lichterfest das vierte Licht des Chanukkaleuchters.
Richten wir unser Herz und unser Gesicht aus auf dieses Licht des Advents und des Chanukkafestes, damit die Schatten hinter uns fallen und das Licht der Erlösung schon jetzt in unseren Augen aufleuchtet.
Herr unser Gott, hab Dank dafür, dass du in unsere Welt gekommen bist. Danke, dass du Licht in die Dunkelheit bringst und Trost, wo Trauer und Mutlosigkeit herrschen. Amen.
Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.