Ein sanftes Joch – ist das nicht ein Widerspruch in sich? Denn das Joch ist Inbegriff eines fremdbestimmten und mühsamen Lebens. Dieser massive Querbalken, der einem Tier oder einem Menschen auf den Nacken gelegt wird, um eine schwere Last zu tragen oder zu ziehen, wie kann er sanft sein? Und selbst wenn es das gäbe, wäre es nicht allemal besser, gar kein Joch zu tragen als ein sanftes?
Wir wünschen uns jedenfalls, nicht unterjocht zu sein. Vielmehr sehnen wir uns nach einem möglichst freien, leichten Leben ohne große Lasten. Dass einem dabei Intensität und Lebensfülle abhandenkommen können, beschreibt der tschechisch-französische Schriftsteller Milan Kundera in seinem Buch „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“. Er kommt zu dem Fazit, dass die absolute Abwesenheit von Last zur Bedeutungslosigkeit eines Menschenlebens führt. Womöglich versäumt man Entwicklungsmöglichkeiten in dem Bestreben, es immer leicht und sorglos zu haben und Problemen aus dem Weg zu gehen.
Es kann aber auch alle Lebenskraft und Freude ersticken, wenn die Last, die man zu tragen hat, zu schwer ist. Die verbliebenen Bruchstücke dessen, was man einmal in der Familie oder im Berufsleben aufgebaut hat, oder die Scherben eines zerbrochenen Selbstbildes wiegen schwer. Es gibt Schicksale, die wir in ihrer Härte nicht begreifen und Fragen, die uns keine Ruhe lassen. Unerträglich sind die vielen Kriege auf der Welt und das damit verbundene Leid. Wohin also mit der Sehnsucht nach dem leichten Leben einerseits und der Erfahrung andererseits, dass es oft auch schwer sein kann, zu schwer?
Jesu Worte rufen uns heraus aus diesem Zwiespalt. „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid.“ Sie lassen aufatmen und zur Ruhe kommen. Und dann hören wir, wie es leichter gehen kann, Lasten zu tragen. Das harte Joch, das mir gnadenlos die Lasten meines Lebens zumutet, muss nicht sein, es gibt ein anderes: das sanfte. Es ist gezimmert von einem, der weiß, was es braucht, um Lasten zu tragen: Sanftmut, Demut, Liebe. Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht, sagt er. Da gehst du nicht zu Boden, kannst tragen, was zu tragen ist. Du wagst vielleicht sogar einen kleinen Sprung in die Luft, spürst, dass es auch mal leicht sein kann – mitten im Schweren und trotz allem Belastendem.
In einem meiner Lieblingslieder ist das sehr schön in Worte gefasst: „In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ, … hilfest von Schanden, rettest von Banden, wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja“ Diese Worte sind mit einer Melodie ins Lied gebracht, auf die man einen Walzer tanzen kann. Da spüre ich die wunderbare Leichtigkeit des Seins.
Es ist nicht die unerträgliche Leichtigkeit des Seins, sondern die Leichtigkeit, die uns möglich ist, weil diese Welt mit ihrer ganzen Last und Not in Christus getragen – und dadurch auch für uns erträglich ist.
Sie zu entdecken, sie uns immer wieder schenken zu lassen in Gottesdienst und Abendmahl, im Singen, Beten, Tanzen und Luftsprünge machen, dazu laden Jesu Worte uns ein: heute, morgen und alle Tage, die kommen.