An Weihnachten ist viel geboten und das beginnt meist schon im September. Ich sage das gar nicht kritisch. Klar weiß ich, Advent und Weihnachten sind im Dezember. Aber eigentlich ist es doch toll, dass alles auf unser großes Fest hinweist. Die Werbung, die leuchtenden Städte und die bunten Bäume an allen Ecken und Enden. Alles lädt ein zu unserem großen Freudenfest. Ich meine das so. Manchmal muss man die Dinge eben umdrehen, um einen weiten und sehr großen Blick zu bekommen. Denn das ist für uns Christinnen und Christen jedenfalls die richtige Perspektive an Weihnachten.
Der Beginn des Johannesevangeliums lädt uns ein, unseren Blick vom Stall in die Weite des Lebendigen zu richten. Johannes zeigt auf den Ort und die Zeit, an dem und in der alles begann: „Am Anfang war das Wort.“ Also sind wir vor aller Zeit, am Anfang allen Anfangs, und da war das Wort und das Wort war Gott – und bis heute haben wir das Wort und das Wort ist Gott. Da finden wir ihn. Im Wort. Und so haben wir bis heute zerbrechliche Worte, die sagen: „Ich bin bei dir“ und „Fürchte dich nicht“. Aber wir Menschen brauchen mehr als Worte. Wir brauchen Zeichen. Es reicht eben nicht, wenn mir jemand sagt: „Ich liebe dich“, und mich nie in den Arm nimmt.
Und so macht sich Gott auf den Weg. „Und das Wort ward Fleisch und wohnte unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit.“ Gott macht sich auf und wird ein Kind. „Den aller Welt Kreis nie beschloss, der liegt in Marien Schoß“ – so singen wir es in diesen Tagen und kommen aus dem Staunen nicht heraus. Aus dem Wort, dem ewigen Wort, wird ein Mensch, wird ein Kind, wird ein Mann, der wiederum mit seinen Worten die Menschen bewegt und verändert – bis heute. Aus dem Ewigen wird ein zeitlicher Mensch und das bedeutet: ein Sterblicher. Denn das ist das, was ausnahmslos alle Menschen verbindet und gleich macht. Wir werden geboren und wir sterben. Und dazwischen gibt es ungezählte Leben. Jedes anders, jedes individuell.
Und weil Gott mit uns die Grunderfahrung des Lebens teilt, ist er uns nahe. In all unseren verschiedenen Leben. Und doch gibt es einen tiefen und bedeutenden, ja lebensrettenden Unterschied zu uns. Auch wenn das Wort, wenn Gott, wenn der Mann, dessen Geburtstag wir heute feiern, sterben wird, wird er doch nicht im Tod bleiben. Die Finsternis hat keine Macht über ihn. Und die Finsternis hat keine Macht über uns.
Vieles lastet auf uns. Auch in diesem Jahr an Weihnachten. Aber das Licht leuchtet aller Finsternis zum Trotz und deshalb dürfen wir uns ein bisschen weniger fürchten. Oder viel weniger und vielleicht gar nicht. Gott ist da in seinem Sohn, unserem Licht auf unseren Wegen. Der Beginn des Johannesevangeliums ist nicht weniger als ein großes Versprechen an uns. Hab keine Angst. Licht ist da. Und Leben! Und so feiern wir heute nicht nur Geburtstag, sondern das Leben, das in diesem Kind, in dem Kind Jesus, in die Welt gekommen ist, um zu bleiben. Licht für mein Leben, Licht für das Leben aller Menschen und Licht für die Ewigkeit, in die auch mein Leben hineingenommen sein wird. Deswegen ist an Weihnachten so viel geboten. Nämlich nicht weniger als alles. Und deswegen kann Weihnachten eigentlich gar nicht früh genug beginnen, nämlich nicht erst im Dezember.