Zu Weihnachten gehört der Familien- und Freundes-besuch. Über die Feiertage wollen viele ihren Liebsten begegnen. Auch der Evangelist Lukas erzählt von einem Familientreffen. Zugegeben: Es ist ein Familientreffen im kleinen Rahmen, nur zwischen zwei Menschen. Nämlich zwischen Elisabeth und ihrer Cousine Maria. Eigentlich ist dieses Treffen zwischen Maria und Elisabeth eher eine Art Frauengespräch. Und doch zieht uns Lukas in dieses Gespräch hinein. Was da geschieht, geht uns alle an!
Denn der Anlass des Besuchs ist kein Fest, sondern ein Umstand, genauer gesagt „andere Umstände“. Elisabeth und Maria verbindet ein gemeinsames Thema. Sie sind beide zum ersten Mal schwanger, völlig unerwartet. Maria in sehr jungen Jahren und Elisabeth im fortgeschrittenen Alter. Die Schwangerschaft hat sie überrascht. Und doch erleben wir zwei Frauen, die trotz einer gewissen Unsicherheit erstaunlich prophetisch, begeistert und stark auftreten. Sie wissen, dass ihre ungeborenen Kinder das Leben verändern werden. Nicht nur ihr eigenes Leben, sondern das Leben aller Frauen und Männer.
Woher sie das wissen? Bei der Begegnung mit Maria hüpft Elisabeths Sohn im Bauch. Elisabeths Kind zeigt: Es ist so weit! Die Mission, die Gott vorzeiten durch die Propheten angekündigt hat, beginnt. Das Kind, das Maria unter dem Herzen trägt, ist der verheißene Retter der Welt, Jesus. Ihr eigener Sohn, Johannes, wird dem Messias den Weg bereiten. Seine Aufgabe beginnt im Bauch der Mutter. Das Ungeborene hüpft vor Freude. Diese Freude geht über. Von dem ungeborenen Sohn auf Elisabeth und von Elisabeth auf Maria.
Dabei ist schon die Wahl der Frauen als Mütter dieser Kinder ein Grund zur Freude: Sie sind einfache Frauen, die die gesellschaftlichen Erwartungen bislang nicht erfüllen: zu jung und unverheiratet schwanger die eine – zu alt und kinderlos die andere. Gott hat einen Blick für gewöhnliche Leute. Ja, einfache Menschen werden von Gott nicht übersehen. Nicht die Mächtigen, die Oberen, werden zu Erwählten, sondern gerade die Unscheinbaren, die vielleicht Vergessenen.
Diese Freude über die Zuwendung Gottes kann Menschen stark und prophetisch werden lassen, wenn Meinungen und Konventionen, Ideologien und Macht-einflüsse verunsichern und klein machen. Sie kann aufrichten, wenn Menschen sich unbedeutend fühlen. Die Freude stärkt, den Glauben an einen zugewandten Gott in der Familie und in der großen Welt offen zu bekennen.
Wie wäre es, wenn solche Freude bei unseren Familientreffen in den kommenden Tagen erlebbar wäre? In Begegnungen, in Gesprächen? Packen wir die ermutigende und stärkende Begegnung zwischen Elisabeth und Maria ein, wenn wir uns auf den Weg zu Familien und Freunden machen.