Nicht gerade verständnisvoll und empathisch wirkt Jesus hier. Da gibt es Menschen, die Jesus nachfolgen wollen. Sie bitten ihn um einen kurzen Aufschub. Der eine, weil er zuerst seinen Vater bestatten möchte, der andere, weil er sich noch von seiner Familie verabschieden möchte. Radikal und kompromisslos antwortet Jesus hier: „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Diese Reaktion gibt mir zu denken, weil ich von Jesus etwas anderes erwartet hätte. Er macht klar: Wenn es um das Reich Gottes geht, dann muss man sich klar entscheiden und alles zurücklassen. Nicht einmal ein kurzer Aufschub ist da möglich!
Was dahinter steckt, wurde mir klarer, nachdem mir jemand von seinen Erfahrungen beim Pflügen mit dem Pferd erzählt hat. Da funktioniert das tatsächlich nicht: zurückzublicken. Wer eine gerade Furche ziehen will, der muss seinen Blick weit nach vorne lenken. Der braucht ein festes Ziel in der Ferne. Nur so gelingt die Arbeit. Das ist uns durch die moderne Ackertechnik gar nicht mehr bewusst. Aber Jesus und die Menschen seiner Zeit wussten das. Ein Blick zurück würde vom Weg ablenken, würde für krumme Linien sorgen, würde das Gleichgewicht durcheinanderbringen. Selbst ein Blick nur direkt vor die eigenen Füße reicht nicht aus. Selbst da wären die Linien noch schief. Man braucht einen weiten Blick. Ein Ziel in der Ferne, das man fest fixiert.
Das Reich Gottes ist ein solches Ziel für uns. Ein weites Ziel. Ein großes Ziel. Eines, das wir fest im Blick behalten sollten. Wenn wir Jesus nachfolgen möchten, dann muss das Reich Gottes unser Ziel sein – kompromisslos!
Im Augenblick ist viel im Umbruch in unseren Gemeinden. Vieles funktioniert nicht mehr wie bisher und das ist schmerzlich. Die Jungschar läuft nicht mehr, die Konfirmandenzahlen gehen zurück und auch Gottesdienste können nicht mehr in der gewohnten Regelmäßigkeit in jeder Kirche stattfinden. Würden wir lieber gerne im Alten verharren und trauern, uns verabschieden – oder dem ganzen nochmals eine letzte Chance geben?
Es ist naheliegend, dass wir lieber zurückblicken auf die guten Zeiten, in denen alles noch ganz anders war. Aber wie werden da unsere Ackerfurchen? Zaghaft gehen wir voran. Ein Schritt in diese Richtung, ein halber daneben.
Wie wäre es wohl, wenn wir uns zu Herzen nehmen würden, was Jesus sagt? „Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.“ Im positiven Sinne formuliert: Richte deinen Blick auf das Reich Gottes. Schau nach vorne! Behalte dein Ziel fest im Blick und lass dich nicht von der Trauer lähmen.
Einfach wird das sicherlich nicht. Das zeigt diese Geschichte auch. Da gibt es Abschiede und Entbehrungen. Aber der Blick nach vorne, der hilft uns, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Mit Blick auf das Reich Gottes können wir mutig Schritte nach vorne gehen und Veränderungen annehmen. Jesus sagt: Folge mir nach!