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Impuls

Nichts bleibt gleich

Impuls zum Sonntag Judika, Hebräer 13,12-14.

Hebräer 13,12-14

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein ­eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

Foto: Markus Sontheimer
Der promovierte Theologe Tobias Kaiser ist Pfarrer in Geislingen an der Steige.

Nicht schon wieder eine Stadtbilddebatte. Die letzte hat nur Verletzungen hinterlassen. Eine weitere Leerstelle in den vom Leerstand geprägten Innenstädten.

Irgendwas verändert sich gerade in kleinen Landstädten und auf der Stuttgarter Königsstraße. Vertraute Geschäfte sind nicht mehr da, die Eisdiele fehlt. Das Kaufhaus, die Boutique – wo sind sie? Wo ist die Stadt der ­Erinnerungen? Was ist aus dem verheißungsvollen Ort der Kindheit geworden? Fremd fühlt man sich und sucht. Sucht in den Erinnerungen, sucht nach den vergangenen Zeiten, sucht nach zeitloser Schönheit und Harmonie, nach Beschaulichkeit und Ordnung. Sucht und sucht vergeblich. Verschwunden der vertraute Wohlfühlort, die Stadt der Träume. Es gab sie wohl nie.

Auf der Suche ist auch der Verfasser des Hebräerbriefes, er sucht eine Stadt, in der er gerne wäre, eine Idealstadt, einen Wohlfühlort. Wenn er sich erinnert, gab es diese Stadt in seinem Leben nie. Irgendwas hat ihn gegenüber Städten immer schon misstrauisch gemacht. Die Enge der Gassen? Das miefige Miteinander? In den Straßen hat er Gefahr gewittert. Irgendwas hat nicht gestimmt. Vielleicht sind es gerade die Veränderungen, die in der Stadt schneller zu spüren sind. Nichts bleibt. Vielleicht sind es die Erfahrungen der Ablehnung, der Verfolgung in der Heimatstadt – und dann die der Fremdheit, der Ausgrenzung in einer neuen Stadt.

Hat uns die Stadtbilddebatte wieder eingeholt. Scheint nicht nur mit den Städten etwas nicht zu stimmen. Scheint mit dem Zusammenleben etwas nicht zu stimmen, mit uns Menschen. Das bleibt dann doch in all den Veränderungen.

In diesen Städten mag er nicht bleiben. Er sucht eine neue Stadt, eine, die bleibt, und in der er bleiben kann. Er merkt, diese Stadt, die gibt es noch nicht, die wird erst noch werden. Jetzt fällt ihm Jesus Christus ein und sein Tod. War doch auch draußen vor der Stadt. Da litt und starb er. Unter den Menschen konnte er nicht bleiben, da wollten sie ihn nicht haben, da hatte er keinen bleibenden Ort, keine Heimat gefunden.

Sollte das das Los seiner Nachfolgerinnen und Nach­folger sein? Nicht dazu gehören, fremdsein, keine Bleibe finden? Sollten sie suchen, hoffen auf die zukünftige Stadt, träumen vom idealen Ort des Lebens?

Er sucht und gelangt vor die Stadt, dorthin, wo Christus gelitten hat und starb, kommt nach Golgatha und zum Kreuz. Das Ende? Die letzte Station? Ein Zeichen, dass die Suche endgültig gescheitert ist?

Nein, gar nicht: für ihn Zeichen des Neuanfangs und der Hoffnung. Am Kreuz zeigt sich der barmherzige und mitleidende Gott, da zeigt er sein menschliches Antlitz. Da erkennt man neu. Da geht die Zukunft los. Aus den Balken des Kreuzes, aus den Trümmern der Trauer entsteht die neue Stadt. Sie wächst, vollendet ist sie noch nicht. Wird noch, dauert … Wir suchen und leben, in ­Städten und Dörfern, bauen und gestalten miteinander aus den Balken des Kreuzes, aus den Steinen des Schmerzes. Bauen und leben hier als die Bürgerinnen und Bürger der zukünftigen Stadt, leben aus der Vergebung, in ­Mitleid und Zuwendung zu den Mitbürgern, bauen, ­leben und spüren, wie brüchig alles ist, wie klein und hilflos unser Tun. Wir bauen und wissen, es bleibt nicht, bauen und suchen in der Hoffnung und Gewissheit die Stadt Gottes, die zukünftige Stadt, die kommt.

Gebet

Ewiger Gott, die zukünftige Stadt, Ort der Verheißung und Ziel, Quelle der Hoffnung und Vorbild. Hilf uns, gut und friedlich miteinander umzugehen, Orte zu schaffen, wo Menschen gut und gerne leben. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast.

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