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Impuls

Zwiegespräch mit Gott

Impuls für den Sonntag Rogate: Johannes 16,23-28(29-32)33.

Johannes 16,23-28(29-32)33

Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr den Vater etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er euch geben. Bisher habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, so werdet ihr empfangen, dass eure Freude vollkommen sei. Denn er selbst, der Vater, hat euch lieb. Ich bin vom Vater ausgegangen und in die Welt gekommen; ich verlasse die Welt wieder und gehe zum Vater. Dies habe ich mit euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Angst; aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.

Joachim Fritz
privat
Joachim Fritz ist Pfarrer in Siglingen, Dekanat Weinsberg-Neuenstadt.

„Wir beten.“ Ein kleiner Satz, den wir oft in den Kirchen sagen und hören. Oder eine kleine Mahnung am Esstisch, wenn sogleich hungrig zugegriffen wird: „Wir beten!“ Das macht uns als religiöse Menschen aus: Wir beten. Wir sprechen mit Gott wie mit einem Freund über unsere Sorgen und Ängste – und was uns an Gutem durch‘s Leben begleitet.

Wir beten. So weit, so gut. Doch in letzter Zeit fällt es mir schwer zu beten. Und wenn ich mich so umschaue, dann bin ich da nicht der Einzige. Vielleicht liegt es auch daran, dass wir das Handwerk, das zum Beten gehört, nicht gut weitergeben. Gerade wir als Pfarrerinnen und Pfarrer sind ja schnell dabei, ein paar klug klingende katechetische Sätze in die Welt zu setzen. Aber bei „lehre uns, wie wir beten sollen“, wird es dünn: Irgendwie kann man einfach beten. Doch nein: Beten ist auch eine Art religiöses Handwerk, das Übung braucht.

Und dann gibt es noch ein zweites Problem: Was bringt’s denn, dass ich bete? „In der Welt habt ihr Angst“ – auf traurige Weise stimmt dieser Satz. Wenn man die Nachrichten verfolgt, gibt es genügend Gründe dafür: Krieg tobt in Europa, im Nahen Osten und in der Politiksprache. Eine der ältesten Demokratien wird von einem begnadeten Lügner und seinem milliardenschweren Hofstaat zerlegt. Die Welt gerät aus den Fugen.

Und es hilft nicht, dass Menschen beten. Denn wo ich auch hinschaue, beten Menschen für die „falschen“ Dinge: für den Sieg Russlands in der Ukraine, für die vollständige Vertreibung aller Palästinenser aus dem (auch ihnen) Heiligen Land, für Donald Trump und alles, was er vorhat.

Zum Glück werden Gebete nicht erhört. Das ist eine ketzerisch überspitzte Verkürzung, aber mich tröstet sie: Jesus sagt im Johannesevangelium genau das: „Wenn ihr Gott in meinem Namen bittet, so wird er euch geben.“ Was er aber geben wird, das liegt in Gottes Hand. Und vielleicht ist das auch gut so: Wir wissen selten, was wir wirklich brauchen.

Dass Gott keine Wunschmaschine ist, spricht für viele eher gegen das Gebet: Warum soll ich denn beten, wenn es sowieso nichts bringt? Und hier widerspreche ich: Beten bringt immer etwas. Das fängt damit an, dass es gut ist, wenn unser Frust und unsere Sorgen einen Adressaten haben. Dass sie nicht einfach bei uns liegen bleiben. Und es geht damit weiter, dass wir gut daran tun, auch in Freude, Dank und Zuversicht kurz innezuhalten und diese Momente in unser und in Gottes Bewusstsein rücken. Gerade in schwierigen Zeiten ist es wichtig, den Optimismus nicht aus den Augen zu verlieren, sondern ihn bewusst in die Welt zu tragen.

Kurzum: Weil wir unsere Gebete an Gott richten, ändern wir uns. Weil wir das Chaos sortieren und weil wir bei Gott Wut und Frust rauslassen können. Weil wir Gottes Gaben in uns wieder wahrnehmen und sie in dieser Welt Realität werden lassen. Sicherlich: Nur weil wir beten, wird nicht gleich alles anders, löst sich nicht alles Schwere in unserem Leben auf. Aber dennoch ändert sich die Welt auf eigenartige Weise, wenn wir beten.

Gebet

Herr, lehre uns beten. Höre mich, dass ich reden kann. Halte mich, dass ich weinen kann. Tröste mich, dass ich loslassen kann. Trage mich, dass ich gehen kann. Erlöse mich, dass ich lachen kann. Amen.

Den geistlichen Impuls für jeden Tag finden Sie im AndachtsCast

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