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Prälatur Reutlingen

Beruf und Glaube: Die Christliche Bäcker- und Konditorenvereinigung

NEHREN (Dekanat Tübingen) – Geistliche Angebote für Bäcker gibt es schon seit knapp 150 Jahren. Auch hierzulande findet sich ein aktiver Landesverband der Christlichen Bäcker- und ­Konditorenvereinigung (CBKV). Von Peter Heinrich

Ein Mann mit Mütze und weißem T-Shirt schiebt einen Laib Brot in einen Ofen, auf einem Tisch neben ihm stehen viele Laibe Brot nebeneinander. Reutlingen
Unsplash/DDP

Wenn ein Bäcker im Jahr 1888 von abends 20 Uhr bis 14 Uhr am nächsten Tag arbeiten musste, dann hatte er keine Chance, an kirchlichen Veranstaltungen teilzunehmen. Dies erkannte in Berlin Eberhard von Rothkirch, der fünf Jahre zuvor an gleichem Ort den deutschen Zweig des CVJM gegründet hatte. Er initiierte eine Bibelstunde für Bäcker, die um 17 Uhr stattfand.

Die Arbeitszeiten für Bäcker sind heute etwas humaner, aber immer noch ist es für Menschen dieses ­Berufes schwierig, an traditionellen kirchlichen Angeboten teilzu­nehmen. Die Bevölkerung erwartet heute auch am Sonntagmorgen frische Brötchen, und wenn der Wecker für den Bäcker an normalen Arbeitstagen um eins oder halb zwei in der Nacht klingelt, dann fällt es schwer, sich am Vorabend noch auf eine Bibelstunde oder einen Gruppenabend einzulassen.

Berthold Streib steht mit einem großen Backblech auf dem Brezeln liegen in der Hand in einer Küche.
privat
Kopf der Christlichen Bäcker- und Konditorenvereinigung im Land: Berthold Streib.

Die Entstehung der Christlichen Bäcker- und Konditorenvereinigung (CBKV)

So entstand aus frühen und kleinen Anfängen in Berlin die Christliche Bäcker- und Konditorenvereinigung (CBKV), die sich schnell über das ganze Land ausbreitete. Der Kopf sowie das Gesicht in Württemberg – und darüber hinaus – ist Berthold Streib. Der 73-jährige Bäckermeister hat bis 2007 selbst einen Betrieb mit vier Filialen und bis zu 30 Mitarbeitern geführt. Als seine Ehefrau aus Krankheitsgründen nicht mehr mitarbeiten konnte und weder Tochter noch Sohn den Betrieb übernehmen wollten, gab er die aktive Tätigkeit in der Bäckerei auf. So blieb nun mehr Zeit für das ehrenamtliche ­Engagement in der CBKV. Und er blieb ein fröhlicher Hobbybäcker.

Berthold Streib: Vom Bäckerlehrling zum CBKV-Verantwortlichen

Berthold Streib wollte eigentlich nach der Mittelschule Ingenieur werden, weil er sich sehr für technische Dinge interessierte. Allerdings riet der Berufsberater beim Arbeitsamt davon ab, weil es zu diesem Zeitpunkt ein Überangebot an Ingenieursanwärtern gab. Bei einer Betriebsbesichtigung in einem Bäckereibetrieb, der mit modernsten Maschinen ausgestattet war, entschloss er sich, den Beruf seines Vaters, ­Bäcker, zu ergreifen. Und dort lernt er auch einen Lehrherrn kennen, der seinen christlichen Glauben authentisch lebte und der ihn zu Zusammenkünften der CBKV mitnahm.

Ich habe als Lehrling erlebt, wie gestandene Bäckermeister mit Gott geredet haben, wie mit einem Freund, und sie zusammen die ­Bibel gelesen haben. Und ich habe mich auf die Suche nach Gott gemacht.

sagt Berthold Streib

Er konnte seine Lehre abschließen, seine Gesellenzeit hinter sich bringen und hatte bereits mit 21 Jahren den Meisterbrief in der Tasche. Er war damit einer der jüngsten Bäckermeister in Deutschland. Schnell wurde dem engagierten Bäcker auch in der christlichen Bäckervereinigung mehr Verantwortung übertragen, erst in der Ortsgruppe Reutlingen, dann im Landesverband Baden-Württemberg und, als immer mehr Landesverbände aufgeben mussten, auch bundesweit.

Fünf Männer stehen vor einem Stand auf einer Messe. Auf dem Stand steht oben „GOTT lässt dich nicht im Regen stehen!”
Pressebild/CBKV
Missionarisch unterwegs: die christlichen Bäcker mit Berthold Streib (rechts) auf der Messe Südback in Stuttgart.

Die Angebote der Christlichen Bäcker- und Konditorenvereinigung (CBKV)

Dabei ist die CBKV vielseitig aktiv. So veranstaltet sie Bibelstunden, teilweise in Präsenz, aber auch ­online, organisiert in Württemberg eine Frühjahrs- und Herbstkonferenz und bietet zweimal im Jahr Gebetstage an. Auch gibt sie eine Quartalszeitschrift, Lebensbrot, heraus. Besonders herauszuheben sind die Advents- und Christfeiern, die am Ersten Advent und am Sonntag nach Weihnachten stattfinden. „Bei der Adventsfeier schöpfen wir Kraft für die bevorstehende, besonders arbeitsintensive Zeit“, sagt Streib, „bei der Christfeier nach Weihnachten sind wir dankbar dafür, alles gut überstanden zu haben.“

Missionarische Arbeit auf Messen: Die CBKV im Austausch mit der Branche

Auch eine Sommer- und eine Winterfreizeit stehen auf dem Programm, traditionell im Sommer auf der holländischen Nordseeinsel Texel, im Winter im schweizerischen Sils-­Maria. Highlight der Aktivitäten sind die missionarischen Einsätze auf den verschiedenen Fachmessen wie die BÄKO-Hausmesse und die Südback in Stuttgart oder die Internationale Bäckereiausstellung (IBA) in Düsseldorf. „Wir haben dort immer intensive Begegnungen mit Berufskollegen“, berichtet der Bäckermeister, „und wir können sogar fremdsprachige Bibeln weitergeben.“ Es sei in Gesprächen einfach hilfreich, den richtigen Stallgeruch zu haben.

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