Vom ersten Röstversuch zur Profi‑Rösterei: Fynns Weg zum Kaffeeexperten
Fynn Campbell, einer der drei, ist 30 Jahre alt und gläubiger Christ. Vor zehn Jahren brachte ein Freund den Gedanken auf, man könne Kaffee in einer Popcornmaschine rösten. „Eine solche Maschine hatten wir nicht, und so haben wir es mit einer gusseisernen Pfanne und einem Industriefön versucht. Es funktionierte tatsächlich“, erklärt Fynn Campbell schmunzelnd. „Aber das Ergebnis war ernüchternd.“ Der Kaffee schmeckte furchtbar. Doch aus dem Fehlversuch aus Neugier wurde Leidenschaft. Und so machte Campbell den Kaffee zu seinem Beruf und arbeitete als Barista.
Suche nach Berufung: vom Barista zum Unternehmer
Glaube spielte schon früh in Fynn Campbells Leben wichtige Rolle. „Ohne den Glauben an Jesus, mit allen Höhen und Tiefen, konnte ich mir mein Leben gar nicht vorstellen“, sagt er. Das wollte er auch weitergeben und träumte von einem christlichen Café mit Kleinkunstbühne. Zu diesem Zeitpunkt konnte er bereits auf semi-professionelle Schauspielerfahrung im Ensemble des Lindenhoftheaters in Burladingen-Melchingen zurückblicken, mit dem er eine Saison das Sommertheater in Tübingen und Stuttgart bespielt hatte.
Aber noch immer gab es keine Perspektive für seine Vision, und so kam Plan B in den Blick – ein Theologiestudium für das Pfarramt. Vorher stand aber noch ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Evangelischen Jugendwerk an. Doch auch das schien alles nicht zu passen, und so wuchs bei ihm die Verzweiflung.
Deshalb fasste er einen radikalen Entschluss: Der Jakobsweg sollte die Entscheidung bringen. „Ich bin von zu Hause am 11. April 2014 losgelaufen und am 3. August nach über 2600 Kilometern in Santiago de Compostela angekommen.“ Für ihn war das ein sehr kontemplativer Weg, war er doch völlig analog, ohne Smartphone oder Musikplayer unterwegs.
Ich hatte nur meine Bibel und mein Tagebuch und war viel mit mir und Gott alleine.
sagt Fynn Campbell
Der Traum vom modernen christlichen Café war immer noch da, als er erfuhr, dass es genau solch eine Einrichtung bereits in Berlin gab. Nach seiner Pilgerreise heuerte er dort als Barista an und sammelte weitere Erfahrungen. Eine Stammkundin des Cafés brachte ihn schließlich auf den Gedanken, eine Ausbildung zum Hotelfachmann zu machen.
Er absolvierte sie in einem Nobelhotel im Kurort Oberstaufen. Nach zweijähriger Ausbildung stieg er zum stellvertretenden Restaurantleiter auf. Der Traum vom eigenen christlichen Café blieb auch dort wach, hatte er doch inzwischen seine jetzige Frau kennengelernt, eine Freiburgerin. Die Entfernung wurde mit der Zeit zu groß, die Lösung schien eine Bibelschulausbildung im Breisgau zu sein.
Doch dann kam Corona – und auch dieser Traum platzte. Parallel dazu hatte sich sein Freund Corny inzwischen eine Existenz mit einem Kaffee-Mobil und Kaffee-Catering für Festivitäten und Firmenevents aufgebaut. Auch dessen Standbein brach weg und so wollten sie die Idee der eigenen Kaffeerösterei mit einem kontaktlosen Versandhandel wiederbeleben – und es gelang, weil bereits die zweite Bank das Startkapital zur Verfügung stellte.
Glaube, Verantwortung und Nachhaltigkeit: Die Leitlinien hinter Cofymi
Als Christen haben wir den göttlichen Auftrag, die gute Schöpfung zu bebauen und zu bewahren. Das bedeutet, dass wir unsere Produzenten und Mitarbeitende, auch welche mit Handicap, fair bezahlen. Alle ein bis zwei Jahre besuchen wir unsere Zulieferer, um uns von der Nachhaltigkeit der Produkte zu überzeugen.
sagt Fynn Campbell
Inzwischen hat sich das Gültsteiner Unternehmen so weit etabliert, dass es 2025 ungefähr 25 Tonnen Kaffee geröstet, verpackt und an die Kunden versandt hat. Zehn Prozent des Gewinns wird an das christliche Hilfswerk „ChildFund“ in Nürtingen gespendet, das Kindern in Äthiopien den Schulbesuch ermöglicht.
Aber auch für Kinder in Deutschland engagiert sich Campbell. Er ist Vorsitzender des Vereins Kinderbauernhof Brennlesberg e. V. in Gomaringen, in dem Kinder auch aus schwierigen Lebenssituationen Kontakte zu Tieren aufbauen können, um ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln.