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Prälatur Reutlingen

Ein Leben für Natur, Glaube und Literatur

WITTLINGEN – Der Autor David Friedrich Weinland lebte auf der Schwäbischen Alb, dort findet man noch heute viele seiner Spuren. Von Andreas Steidel

Reutlingen
unsplash/Aaron Burden

Der Weg schien vorgezeichnet. Als Sohn des Pfarrers August Weinland in Grabenstetten wurde der junge David Friedrich 1843 aufs theolo­gische Seminar nach Maulbronn geschickt. Die Lateinschule in Nürtingen hatte er erfolgreich absolviert, das Landexamen bestanden. Nun standen ihm alle Türen offen.

Porträt von David Friedrich Weinland.
Foto: wikipedia/pd
David Friedrich Weinland zog es von der Schwäbischen Alb in die weite Welt.

Vom Theologiestudenten zum Naturforscher

1847 wechselte er ins Tübinger Stift, das er nach acht Semestern abschloss. Der Beruf des Pfarrers wäre nun die logische Folge gewesen. Doch Weinland zögerte: Schon seit geraumer Zeit reizte ihn die Natur mehr als die Theologie. Schon als Kind hatte er die Felsen und Höhlen der Schwäbischen Alb erkundet und heimischen Vogelstimmen gelauscht.

Expeditionen in alle Welt

Er sattelte weitere Studien­semester drauf und legte 1852 eine Dissertation in den Naturwissenschaften vor. Vom Pfarrberuf wollte er nichts mehr wissen, stattdessen zog ihn die Tierwelt in ihren Bann: Als Assistent ging er an das Zoologische Museum der Universität Berlin und brach schon bald zu Expeditionen in alle Welt auf. Er reiste durch die USA und Kanada, studierte die Korallen vor der Küste Haitis, unternahm lebensgefährliche Bootsfahrten in tropischen Gewässern – und erkrankte an Gelbfieber.

Das Foto zeigt das Herrenhaus von Weinland.
Foto: Andreas Steidel
Weinlands Anwesen wurde einst von seinem Vater erbaut.

Krankheit zwingt Weinland zum Rückzug nach Wittlingen

Schließlich musste er zurückkehren und ging 1859 als wissenschaftlicher Sekretär an den Frankfurter Zoo. 1862 heiratete er Anna Burnitz, eine ebenso fromme wie vermögende Frau, aus der Ehe gingen vier Söhne hervor. Das Paar ließ sich auf dem ererbten Hofgut in Wittlingen bei Bad Urach nieder. Seine angeschlagene Gesundheit zwang Weinland zum Rückzug ins Private. Sein Anwesen liegt ganz in der Nähe der Burgruine Hohenwittlingen und war einst ein Forsthaus des Herzogs. Wer heute dort aus Wittlingen Richtung Burg spaziert, kommt direkt daran vorbei.

Wie Weinland Wissenschaft und Abenteuer im „Rulaman“ verbindet

David Friedrich Weinland wandte sich nun der Erziehung seiner Söhne zu. Ihnen schrieb er zur Erbauung einen Jugendroman, der von un­erschrockenen Helden der Ur- und Frühgeschichte erzählte. Sie kämpften mit wilden Tieren und feindlichen Stämmen. Im Mittelpunkt stand ein Häuptlingssohn namens Rulaman. Weinland kombinierte dabei geschickt Wissenschaft mit Literatur und gab dem Ganzen eine didaktische Note. Ein Erziehungsroman für die Heranwachsenden!

Das Bild zeigt drei Personen aus dem Werk Rulaman von Weinland.
Foto: wikipedia/pd
Szene aus dem Rulaman: Der Jugendroman machte David Friedrich Weinland bekannt.

„Rulaman“ begeistert Generationen von Lesern

Dass daraus einmal ein Beststeller der Jugendliteratur werden würde, hätte in seinem Entstehungsjahr 1875 keiner gedacht. Doch schon bald drängte ihn seine Umgebung, das Werk zu veröffentlichen. Insbesondere die Reaktion im Pfarrkranz, in dem der ehemalige Tübinger Stiftler verkehrte, hatte ihn ermutigt.

Der Rulaman wurde ein Verkaufsschlager und bald auch zum Standardwerk. Irgendwann hieß es auf der Alb, dass in jedes Haus mindestens drei Bücher gehören: die Bibel, das Sparbuch und der Rulaman. Generationen von Schülern lasen den Höhlenroman.

Otto Rauscher steht neben einem Gedenkstein für Weinland.
Foto: Andreas Steidel
Otto Rauscher am Gedenkstein in der Fischburgstraße in Wittlingen.

Otto Rauscher hält Andenken an Weinland lebendig

Zu ihnen gehörte auch Otto Rauscher. Der 82-jährige Wittlinger hat David Friedrich Weinlands Geschichte genau erforscht. Als Bub musste er die Linde nach oben tragen, die zum 40. Todestag des Autors 1955 am Gedenkplatz in der Fischburgstraße gepflanzt wurde. 2015, am 100. Todestag, wurde sie um eine Gedenktafel ergänzt. Otto Rauscher hielt die Festrede.

Familie Weinland bis heute in Wittlingen verwurzelt

Bis heute wohnen Nachfahren Weinlands im Schlössle, wie das Herrenhaus auch genannt wird. Ein Ur­enkel hat dort sein Zuhause. „Der Kontakt zur Familie ist gut“, sagt Otto Rauscher. Das war auch schon in früheren Zeiten so.

Das Bild zeigt ein buntes Kirchenfenster, auf dem die Geburt von Jesus zu sehen ist.
Foto: Andreas Steidel
Der Sohn von Weinland stiftete die Chorfenster der Johanneskirche.

Trotz Bruch mit Theologie bleibt Weinland gläubig

Der Glaube blieb für ­David Friedrich Weinland ein zentrales Element seines Lebens. Dass die Wissenschaft ihre Grenzen hat, betonte er immer wieder. Ein Sohn David Friedrich Weinlands hat die Kirchenfenster gestiftet, der Schrift­steller selbst den Taufstein.

Er hat sich von der Theologie, aber nie vom Glauben abgewandt

sagt Otto Rauscher

„Rulaman“-Autor hinterlässt bleibende Spuren auf der Alb

1913, noch zu seinen Lebzeiten, verlieh ihm die Gemeinde Wittlingen die Ehrenbürgerwürde. Er hatte Spuren hinterlassen, die weit über den Rulaman hinausgingen: So gehörte er zu den Gründern der Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins und war für seine soziale Einstellung bekannt.

1915 starb David Friedrich Weinland im Alter von 86 Jahren in seiner Wahlheimat Wittlingen. Er ist dort auf dem Privatfriedhof beerdigt, umgeben von der Natur der Albhochfläche, die er zeitlebens geschätzt und geliebt hat.

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