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Prälatur Stuttgart

Im Hospiz: Vom Leben und Sterben

Seit 1. Juli hat Carola Riehm die Gesamtleitung des Stuttgarter Hospizes in der Stafflenbergstraße inne. Sie erzählt, was den Menschen dort gut tut. Von Brigitte Jähnigen

Stuttgart
Foto: Brigitte Jähnigen
Für Carola Riehm ist ihre neue Tätigkeit „Herzenssache und Ehre“.

Übertragen werden Carola Riehm mit ihrer neuen Stelle die stationären wie ambulanten Bereiche des Kinder- und Jugendhospizes sowie das Erwachsenenhospiz wie auch die Elisabeth-Kübler-Ross-Akademie und die Landesstelle Baden-Württemberg Begleitung von Familien mit einem schwer kranken Kind am Hospiz Stuttgart. Eine enorme Verantwortung, die sie „Herzenssache und Ehre“ nennt und ihr und ihrem gesamten Umfeld „Verlässlichkeit und ein gutes Zeitmanagement“ abverlangt.

Wer mit Carola Riehm (51) spricht, trifft eine jugendlich wirkende, gefasste Frau. Sie spricht „vom Glück“, dass sie sich beruflich so entwickeln konnte und sich nach 27 Jahren professioneller Arbeit in der Filderklinik reif für die Hospizleitung fühlt. Riehm ist Krankenpflegefachkraft, sie arbeitete auf der Palliativstation, übernahm später die Pflegedienstleitung der Klinik und wurde so Mitglied der Klinikleitung. Studiert hat sie angewandte Pflegewissenschaften mit Bachelorabschluss. Aktuell schließt sie einen Masterstudiengang für Management und Führungskompetenz ab.

Das Hospiz Stuttgart begleitet schwerstkranke und sterbende Menschen, sowie ihre Angehörigen.

Letzte Wünsche erfüllen

Bei ihrer Arbeit macht sie die Erfahrung, „dass im Sterbeprozess eines Menschen allein dessen Vorstellungen gelten“. Sie erzählt von einer  Dame, die auf ihr sorgfältiges Make-up nicht verzichten wollte, als es ans Sterben ging. Oder eine andere Frau, die „für einen Ausflug auf ein Kreuzfahrtschiff aufgepäppelt“ wurde. Und da war der leidenschaftliche Motorradfahrer, der „unbedingt noch einmal nach Italien“ wollte. Nicht alle Vorstellungen konnten eingelöst werden, aber der Weg dahin zählt. Und auch, was Trost für die Hinterbliebenen ist, wie ihnen die Kraft zum Weiterleben gegeben werden kann.

Wer arbeitet im Hospiz

110 hauptamtliche und 300 ehrenamtliche Mitarbeiter gehören zur Stuttgarter Hospizarbeit. Geeignet dafür sind Menschen, „die zuhören und sich selbst zurücknehmen“, Sterbenden und deren Angehörigen „die Bühne überlassen“ können. Auch für sie ist Carola Riehm verantwortlich. Und dass die Finanzen stimmen.

Gesellschaftliche Veränderungen zeigen sich auch im Hospiz

Die Gesellschaft verändert sich. „Wir werden auch in der Hospizarbeit mehr als bisher zum Beispiel mit Patchworkfamilien oder etwa mit Transsexuellen zu tun haben“, sagt Carola Riehm. Etwas „anderes zuzulassen als eigene Vorstellungen“ – auch diese Perspektive sieht die gebürtige Besigheimerin.

Wir ermutigen Sterbende und ihre Angehörigen, wenigstens am Ende des Lebens Entscheidungen selbst zu treffen

sagt Carola Riehm

Nach fast drei Jahrzehnten Arbeit in der Filderklinik sei sie beeindruckt von der großen Toleranz, mit der „Sterben zugelassen“ werden kann. So werden den Patienten nicht einfach Fachleute „verordnet“, sondern es wird auch auf bewusstseinsbeeinflussende Medikamente verzichtet, um „mit großer Klarheit“ das eigene Ende mitgestalten zu können.

Erzählt ihrer Familie vom Hospiz

„Alle diese Themen nehme ich mit nach Hause. Aber nicht um sie dort aufzuarbeiten, sondern um vom Leben zu erzählen“, sagt Carola Riehm. Ihre beiden Töchter, inzwischen 21 und 18 Jahre jung, waren beim Sterben ihrer Großmutter dabei. Die Geschichten, die Carola Riehm vom guten Sterben erzählt hatte, waren dabei eine gute Vorbereitung. Ihr Mann, ein studierter Architekt, arbeitet als Selbständiger zu Hause. Ihren Töchtern sagt sie: „Wir gönnen uns den großen Luxus, unser Familienleben selbstbestimmt zu leben.“

Doch immer wieder wird sie gefragt, wie sie sich „das antun“ könne, das ständige Sterben vor Augen, den Tod und die Trauer der Hinterbliebenen. „Meine Antwort heißt: Ich habe von jedem Sterbenden etwas mitgenommen, das mich bereichert hat“, so die neue Hospizleiterin. Offenbar müssen noch viel mehr Geschichten vom guten Sterben erzählt werden.

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