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Prälatur Stuttgart

Warum die Johanneskirche am Feuersee bis heute bewegt

STUTTGART – Seit Jahrzehnten ist Ruth Staub der Johanneskirche am Feuersee verbunden und hat unvergessliche Momente erlebt. Von Franciska Bohl

Ruth Staub steht vor der Johanneskirche am Feuersee. Stuttgart
Foto: Julian Rettig

Manche nennen sie „Notre-Dame von Stuttgart“: Die Johanneskirche, die sich auf einer Halbinsel am Feuersee befindet, wird von vielen als Mahnmal gegen den Krieg verstanden. Dem Kirchturm fehlt die Spitze, weil das Gotteshaus im Zweiten Weltkrieg durch Bombenangriffe stark beschädigt wurde. Die besondere Lage am Wasser zieht regelmäßig viele Menschen an, die auf den Treppenstufen am Ufer den Anblick genießen.

Aufnahme der Johanneskirche am Feuersee
Foto: Julian Rettig

Ruth Staubs enge Verbindung zur Stuttgarter Johanneskirche

Für Ruth Staub ein vertrauter Anblick. Denn obwohl sie gebürtig aus Esslingen ist, „habe ich mich immer als Stuttgarterin empfunden“, beteuert die 78-Jährige. Mit vier Jahren zog sie mit ihren Eltern in die Reinsburgstraße im Stuttgarter Westen. Seitdem ist, trotz zwischenzeitlicher Umzüge, der Kontakt zur Johanneskirche nie abgerissen. In ihrer Kindheit war sie in der Jungschar und Konfirmandenarbeit aktiv. Als Krankenschwester machte sie dann ihre Ausbildung im Diakonissenkrankenhaus in der Rosenbergstraße und studierte Sozialarbeit.

Neogotik in Stuttgart: Die Johanneskirche als Hochzeitsort

Ihre eigene Hochzeit fand 1974 in der Johanneskirche statt. Sie schwärmt unter anderem von den neogotischen Zierelementen und den eingearbeiteten Rosetten. Auch die drei zusammenhängenden Fenster im Chorraum, die 1969 von Rudolf Yelin geschaffen wurden, haben es ihr angetan.

Das mittlere mit dem gekreuzigten Jesus ist mir besonders nah.

erzählt Ruth Staub

Bewegende Kirchentage in Stuttgart

Höhepunkte waren für Ruth Staub immer die Evangelischen Kirchentage in Stuttgart. 1999 durfte sie sogar ein Gebet sprechen:  „Ich habe gesehen, wie sich die Menschen durch die Seitentür raus bis auf den Platz vor der Kirche drängten. Das war ein tolles Gefühl.“ Ihr Glaube und der Halt, den sie durch ihre Kirchengemeinde erfahren hat, haben Ruth Staub im Leben immer Stabilität gegeben. Sei es, als ihre Mutter schwer krank wurde und sie diese zuhause pflegte. Oder als ihr Mann mit beruflichen und gesundheitlichen Sorgen kämpfen musste.

Ich hatte immer die Gewissheit, dass Gott mich trägt und ich nicht alleine bin.

berichtet Ruth Staub

Johanneskirche Stuttgart: Engagement über Generationen

Als Kirchengemeinderätin brachte sie sich, zusammen mit ihrem Mann Herbert Staub, intensiv für das gemeinschaftliche Zusammenleben ein. Heute noch leitet sie die Seniorennachmittage, singt im Kirchenchor und übernimmt Besuchsdienste. Ihre enge Verbindung zur Gemeinde hat sie an ihre Kinder weitergegeben – zwei ihrer Söhne spielen im Posaunenchor und zwei Enkelinnen sind, obwohl die Eltern in Schottland leben, in der Johanneskirche getauft worden. Zudem hat sich der jüngste Sohn Matthias in den Kirchengemeinderat Stuttgart-West wählen lassen.

Stuttgart-West: Ein Viertel mit Herz und Begegnung

Nochmals wegzuziehen, das kann sich Ruth Staub kaum vorstellen. „Ich wollte schon immer in der Stadt bleiben – und beim Einkaufen trifft man immer jemanden, den man kennt“, sagt sie. Zudem genießt sie es, in ein paar Minuten zu Fuß beim Konzert in der Liederhalle zu sein. Und vor zwei ­Jahren haben sie und ihr Mann Herbert Goldene Hochzeit gefeiert – natürlich in ihrer geliebten Johanneskirche.

Der Westen ist ein Ort für sich.

sagt Ruth Staub über ihren Wohnort

Neugotik in Stuttgart: Die Geschichte der Johanneskirche

Die neugotische Johanneskirche wurde 1865 bis 1876 von dem Architekten Christian Friedrich von Leins erbaut und war Stuttgarts erster Kirchenneubau nach der ­Reformation. Der ursprünglich 66 Meter hohe Turm und der Kirchenraum wurden durch Bombenangriffe in den Jahren 1943 und 1944 schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau wurden das Gewölbe im Kirchenschiff und die Turmspitze zunächst aus finanziellen Gründen nicht wiederhergestellt. Heute verstehen viele gerade den Turm als ein Mahnmal gegen den Krieg.

Johanneskirche Stuttgart feiert 150 Jahre

Zum 150. Jubiläum der Johanneskirche findet ein umfangreiches Programm statt. Am 02. Mai stellt Hermann Ehmer die Festschrift vor. Der Festgottesdienst findet am 3. Mai um 10 Uhr mit Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl und Oberbürgermeister Frank Nopper statt. Im Laufe des Jahres folgen unter anderem Orgel- und Kirchenführungen sowie Konzerte.

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