Höhepunkte waren für Ruth Staub immer die Evangelischen Kirchentage in Stuttgart. 1999 durfte sie sogar ein Gebet sprechen: „Ich habe gesehen, wie sich die Menschen durch die Seitentür raus bis auf den Platz vor der Kirche drängten. Das war ein tolles Gefühl.“ Ihr Glaube und der Halt, den sie durch ihre Kirchengemeinde erfahren hat, haben Ruth Staub im Leben immer Stabilität gegeben. Sei es, als ihre Mutter schwer krank wurde und sie diese zuhause pflegte. Oder als ihr Mann mit beruflichen und gesundheitlichen Sorgen kämpfen musste.
Ich hatte immer die Gewissheit, dass Gott mich trägt und ich nicht alleine bin.
berichtet Ruth Staub
Als Kirchengemeinderätin brachte sie sich, zusammen mit ihrem Mann Herbert Staub, intensiv für das gemeinschaftliche Zusammenleben ein. Heute noch leitet sie die Seniorennachmittage, singt im Kirchenchor und übernimmt Besuchsdienste. Ihre enge Verbindung zur Gemeinde hat sie an ihre Kinder weitergegeben – zwei ihrer Söhne spielen im Posaunenchor und zwei Enkelinnen sind, obwohl die Eltern in Schottland leben, in der Johanneskirche getauft worden. Zudem hat sich der jüngste Sohn Matthias in den Kirchengemeinderat Stuttgart-West wählen lassen.
Nochmals wegzuziehen, das kann sich Ruth Staub kaum vorstellen. „Ich wollte schon immer in der Stadt bleiben – und beim Einkaufen trifft man immer jemanden, den man kennt“, sagt sie. Zudem genießt sie es, in ein paar Minuten zu Fuß beim Konzert in der Liederhalle zu sein. Und vor zwei Jahren haben sie und ihr Mann Herbert Goldene Hochzeit gefeiert – natürlich in ihrer geliebten Johanneskirche.
Der Westen ist ein Ort für sich.
sagt Ruth Staub über ihren Wohnort
Die neugotische Johanneskirche wurde 1865 bis 1876 von dem Architekten Christian Friedrich von Leins erbaut und war Stuttgarts erster Kirchenneubau nach der Reformation. Der ursprünglich 66 Meter hohe Turm und der Kirchenraum wurden durch Bombenangriffe in den Jahren 1943 und 1944 schwer beschädigt. Beim Wiederaufbau wurden das Gewölbe im Kirchenschiff und die Turmspitze zunächst aus finanziellen Gründen nicht wiederhergestellt. Heute verstehen viele gerade den Turm als ein Mahnmal gegen den Krieg.
Zum 150. Jubiläum der Johanneskirche findet ein umfangreiches Programm statt. Am 02. Mai stellt Hermann Ehmer die Festschrift vor. Der Festgottesdienst findet am 3. Mai um 10 Uhr mit Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl und Oberbürgermeister Frank Nopper statt. Im Laufe des Jahres folgen unter anderem Orgel- und Kirchenführungen sowie Konzerte.