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Prälatur Stuttgart

Alphorn, Glaube und Musik: Wie Bernhard Köhler mit 88 Jahren Menschen begeistert

STUTTGART/WALDDORFHÄSLACH – Sonntags, nach dem Gottesdienst, kann man ihn bis zu zehn Kilometer weit hören: Bernhard Köhler ist leidenschaftlicher Alphornbläser. Wie kam dieses be­sondere Musikinstrument in das Leben des heute 88-Jährigen? Von Brigitte Jähnigen

Bernhard Köhler steht in seiner Werkstatt und hält ein Alphorn in den Händen. Stuttgart
Foto: Brigitte Jähnigen

Morgenritual mit Alphorn: Bernhard Köhlers meditative Musikpraxis

Morgens – Frühstück und Andacht mit Ehefrau Astrid sind ­beendet – steigt Bernhard Köhler in seinem Haus einen Stock tiefer und bläst das Alphorn. Er probiert eigene Kompositionen aus, begleitet sie mit Obertonsingen. Praktiziert den Kehlkopfgesang und erzeugt Naturtöne auf dem Alphorn. Beides verbindet sich zu einem einzigartigen musikalischen Dialog mit meditativem Charakter. „Da kann ich drin versinken“, bekennt Köhler. Immer nach dem Gottesdienst kann man ihn im Schönbuch hören.

Was sind Alphörner?

Alphörner sind traditionelle Naturtrompeten aus Holz, meist Fichte, die ohne Ventile auskommen und nur Naturtöne erzeugen. Sie stammen aus dem Alpenraum und wurden ursprünglich von Hirten genutzt, um über weite Distanzen zu kommunizieren.

Ein Alphorn ist oft zwischen 3 und 4 Metern lang, hat einen warmen, tragenden Klang und kann – je nach Landschaft – bis zu zehn Kilometer weit gehört werden. Heute werden Alphörner vor allem in Volksmusik, Konzerten, Gottesdiensten und bei besonderen Anlässen gespielt.

Wie ein Alphornbauer sein Lebenshobby entdeckte

Das Alphorn kam auf be­sonderem Wege in das Leben des Musikers Bernhard Köhler. Denn, wie meistens in Köhlers Leben, sind seine Anekdoten eng mit menschlichen Begegnungen verknüpft. „Hermann Koppenhöfer war Posaunenchordirigent in Welzheim und Alphornbauer“, sagt Köhler. Der habe aus Fichten mit „aschtigem Blitz“ (also krumm gewachsenen Bäumen) Alphörner gebaut. Koppenhöfer (1923 – 2014) sah Köhlers Interesse und sagte: „Du musst auch ein Alphorn bauen.“ Seitdem ist Alphornbauen und -spielen Köhlers „absolutes Hobby“. Über 100 Instrumente hat er gebaut, für sich, für andere. „Der Alphornbauer aus Walddorfhäslach“ wird er deshalb genannt.

Von England nach Schwaben: Köhlers bewegte Kindheit

Kürzlich hat Bernhard Köhler seinen 88. Geburtstag gefeiert. Seine Vorfahren väterlicherseits stammen aus Besigheim. Doch Köhler ist der Sohn einer Engländerin. Geboren wurde er in Slough Bucks in der Nähe von London. Vater Adolf hatte die junge Greta Ross als ausgewanderter Textiltechniker kennengelernt.

In Deutschland gab es große Arbeitslosigkeit, viele Deutsche wanderten als Fachkräfte nach England aus.

 sagt Bernhard Köhler

1938 kam Baby Bernhard nach Stuttgart-Möhringen. Der schrecklichen Bombenangriffe auf Stuttgart wegen wurden Frauen und Kinder auf die Schwäbische Alb evakuiert. „Als wildes Kind“, aufgewachsen auf Wiesen und in Wäldern, wurde der Knabe eingeschult. Später ging es „back to the roots“ nach Besigheim.

Musik als Berufung: Ausbildung und kirchenmusikalische Laufbahn

Die Musik war mir in die Wiege ­gelegt, meine Mutter hatte eine ­wunderschöne Stimme und konnte Klavier spielen.

erinnert sich Bernhard Köhler

Bernhard Köhler selbst hatte einen „hellen Knabensopran“ und habe früh Schubert-Lieder gesungen. In der Lehre zum Feinmechaniker sah er vielleicht auch deshalb „keine Berufung“. Es folgten Lebensstationen auf der Karlshöhe Ludwigsburg (Ausbildung zum Diakon) und ein Studium an der staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen.

Er war unter anderem Gründungs­mitglied der „Gächinger Kantorei“, hauptamtlicher Mitarbeiter bei den „Stuttgarter Hymnus-Chorknaben“, Musikreferent der Evangelischen ­Jugend in Stuttgart, Leiter der Musikschule Bernhausen und leistete Pionierarbeit im Aufbau und der Ausbildungsarbeit für Posaunenchöre in 19 Kirchengemeinden. 1990 wurde Bernhard Köhler zum Kirchenmusikdirektor ernannt.

Glaube und Musik als Lebensfundament

In frühen „Hahnschen Stunden“ ist er „im Glauben erwacht“. Der Glaube an Jesus hat ihn seitdem getragen bis zum heutigen Tag. Musik, bekennt Bernhard Köhler, ist für ihn das Mittel, um die Botschaft Jesu zu verkündigen. Als Dia­kon hatte er „eine harte Zeit“. Niemand habe für ihn gekocht, keiner sich um ihn gekümmert. Doch dann kam Astrid Hahn in sein Leben. 1964 heiratete das Paar, vier Kinder wurden geboren.

Ein kreatives Lebenswerk aus Musik, Poesie und Handwerk

Und alles, was sein Leben bestimmte, fasste Bernhard Köhler auch in Poesie: in Töne, in Worte. Komponiert hat er, Gebete, Gedichte und Geschichten geschrieben, Ausbildungsliteratur für Blechbläser verfasst, Schallplatten und CDs produziert. 2023 schrieb er Lebenserinnerungen mit dem Titel „Meine Zeit steht in deinen Händen“ auf.

Mit 88 Jahren voller Energie: Köhlers Wirken bis heute

Wie vital Bernhard Köhler noch im Leben steht, war im Mai anlässlich des von ihm vor 60 Jahren gegründeten Posaunenchores der Christuskirche auf der Gänsheide zu erleben. 18 Alphornbläserinnen und -bläser begeisterten Gottesdienstbesucher und Passanten auf dem Kirchplatz mit einer Matinee. Ihr Dirigent: Bernhard Köhler. Er sagt: „Ich hatte ein glückliches Leben voller Arbeit.“

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