Andreas Koch meint

75 Jahre NATO: Wir leben nicht im Paradies

Kolumne
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Zum 75. Geburtstag der NATO eine Kolumne für das Gemeindeblatt? Der Wunsch überrascht. Aber die Redaktion hat das Jubiläum am 4. April zum Titelthema dieser Ausgabe gemacht. Also komm ich der Bitte um einen Beitrag gerne nach. 

75 Jahre NATO: Damit ist das transatlantische Militärbündnis wenige Jahre älter als ich. Umgekehrt heißt das: Es war für mich immer schon da – vor allem in Zeitungen, Radio und Fernsehen. Allerdings sind meine Erinnerungen an früher bruchstückhaft: NATO, NATO-Hauptquartier, Brüssel, so und so viele Mitgliedsstaaten, Generalsekretäre unterschiedlichen Bekanntheitsgrads, unter ihnen Manfred Wörner als bislang einziger Deutscher. Er liegt auf dem Friedhof von Hohenstaufen begraben. 

NATO gleich North Atlantic Treaty Organization: Man versteht sich als Verteidigungsbündnis. Als Führungsmacht fungieren die USA. Frankreich tritt irgendwann aus. Etwas unübersichtlich das alles. Konkret wird’s in der Krise. 1961 in Berlin der Mauerbau, 1962 die Raketen auf Kuba, seit 2022 der Ukrainekrieg: drei von vielen markanten NATO-Daten. Da ist das Bündnis in aller Munde, und mancher, der noch nicht Mitglied ist, möchte es möglichst schnell werden. Siehe vor kurzem Schweden! 

Bruchstücke, Erinnerungsfetzen, aber seit ich denken kann – und das ist wirklich wahr – auch ein zutiefst beruhigendes Gefühl: Wann immer das Wort NATO fällt, weiß man sich auf der sicheren Seite und kann ruhig schlafen. Aber leider dünkt man sich auch moralisch überlegen. Schließlich heißt der Gegner lange Zeit vor allem Warschauer Pakt, und Politiker wie Chruschtschow oder Breschnew verkörpern wie heute Putin das Böse.  

Glückwünsche spreche ich keine aus zum 75. Geburtstag der NATO. Und ich wünsche auch kein möglichst langes Leben. Aber das hier ist mir schon wichtig: ein Dankeschön an alle, die in der NATO auf ihre Art Friedensarbeit leisten! Das Beste für die NATO wäre, wenn es die NATO nicht mehr bräuchte. Aber noch leben wir nicht wieder im Paradies. 

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?

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