„Sehr verehrte Kolumnenliebhaber. Ich freue mich, dass ich hier und heute sprechen darf. Zunächst möchte ich aber unsere Ehrenabonnenten begrüßen …“
Grußwort eins. Grußwort zwei. Grußwort drei. Das Programmblatt kündigt das Grauen meist an. Es wird wiederholt gedankt, zurückgeblickt und vorausgeschaut. Nach dem dritten Grußwort möchte ich oft grußlos gehen. Und bin manchmal selbst noch dran. Wie viele Grußworte habe ich in meinen Jahren als Pfarrerin gesprochen – und durchlitten. Einweihungen. Spatenstiche. Jubiläen.
„Ich komme zum Schluss, aber zuvor möchte ich noch sagen …“
Und dann dauert’s noch drei Schlüsse bis zum Schlusspunkt. Seufz. Dabei ist die Grüßerei ja gut gemeint. Besonders, wenn sie nicht erst zum Schluss auf den Punkt kommt. Wie bei Apostel Paulus. „Gnade sei mit euch und Friede“, so grüßt er zu Beginn seiner Reden und Briefe. Und meint zum Ende: „Grüßt einander.“ Chairete. Das griechische Wort bedeutet mehr als höflich grüßen, nämlich: „Freut euch!“
„Leider kann ich nur die Höhepunkte der Vereinsgeschichte der letzten 150 Jahre kurz ausführen …“
Oh weh, pfeif drauf, die Aufzählung wird weder kurz noch knapp. Und niemand freut sich darüber. Dabei wäre das wohl das ideale Grußwort. Eine Art „Freut euch“. Ein pfiffiger Gruß, passgenau zum Anlass. Keine Vereinschronik, keine Festrede und keine Predigt. Nein, es ist was es ist: ein Grußwort. Ein Wort, das trifft. Ein Gedanke, der mich ins Denken bringt, vielleicht zum Lächeln. Und bevor ich auf die Uhr sehe: Punkt.
Ich halte mich an Martin Luther: „Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf.“
So ist es. Ein kluges Grußwort macht sich nicht größer als es ist. Es will nicht alles sagen, es will aber allen etwas sagen. In einem kleinen Wort stecken nämlich oft große Gedanken. Vielleicht sogar in einer Kolumne.
„Alles Gute und Grüß Gott!“