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Porträt von Christoph Schweizer
Christoph Schweizer meint

Unsere Freiheiten sind ein Geschenk

Die Aufnahme zeigt eine Reihe von Länderflaggen. Kolumne
Canva

Auf Reisen kann man Neues ent­decken. Wir waren erstmals in London. Und natürlich waren wir auch auf ausgetretenen touristischen Pfaden im Ausgehviertel Soho. „Soho ist ja nicht mehr das, was es mal war“, sagen die, die’s besser wissen. Nicht mehr der kreative (und lastervolle) Hotspot, sondern ein teures Ausgehviertel wie so viele.

Mag sein. Mich hat es trotzdem beeindruckt. Die Straßen voller Menschen, Musik, Lachen, Lärmen. Schick gekleidete Leute warten vor dem Show-Theater in einer langen Schlange auf den Einlass. Auf einem Platz verteilen welche den Koran auf Englisch. Nebenan gibt’s christliche Botschaften. Aus einer Kneipe schallt Hardrock. Vor einer Bar mit Regenbogenfahne stehen junge Männer und haben gute Laune. Sehen und gesehen werden. Die Szenerie ist international. Verschiedene Farben, Sprachen, Akzente. Sogar Schwaben sind darunter. Die Menschen kommen „von Ost und West, Nord und Süd“, um es mit einem Bibelzitat zu beschreiben. Es ist herrlich und bunt und laut und gut und anstrengend.

Dieses farbenfrohe Bild habe ich in diesem Sommer aufgesogen. Ich sehe aber auch ganz andere Bilder, im Fernsehen, wo welche uns solche Freiheit und Buntheit rauben wollen. Sei es mit Anschlägen gegen bunte Straßenfeste und Paraden. Sei es mit Hassbotschaften in Wahlkämpfen, wo von einem blonden, weißen Deutschland fabuliert wird und alle anderen ihre ­Sachen packen sollen.

Wir halten unsere Freiheiten oft für selbstverständlich. Das sind sie aber nicht. Sie sind eine wunderbare Sache, die wir uns immer wieder miteinander erstreiten und erfeiern und bewahren müssen. Dieses Erstreiten und Erfeiern und Bewahren beginnt unspektakulär im Kleinen, wo ich mich in der Nachbarschaft oder Gemeinde fürs gute Miteinander einsetze oder wo ich beim Gespräch im Kollegenkreis eine Aussage voller Ressentiments hinterfrage. Es liegt an uns, dass unsere Freiheit lebt. Wo es glückt, ist es ein großes Geschenk unseres Schöpfers. Danke dafür.

Das meint Christoph Schweizer. Und was meinen Sie?

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