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Andreas Koch meint

Das wäre echte Solidarität

Eine junge Frau steht mit einer Regenbogenflagge vor der Stuttgarter Feuerkirche. Kolumne
EMH/Claudio Murmann

Keine Frage: Der württembergische evangelische Landesbischof Ernst-Wilhelm Gohl hat gut daran getan, sich nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day von Berlin mit der queeren Gemeinde vor Ort solidarisch zu zeigen. Keinesfalls hätte Deutschlands konservativer Süden hier schweigen dürfen. Im Gegenteil: Indem die Attacke vom Tiergarten nicht zuletzt ein Frontalangriff auf christliche Werte war, mussten sich auch Kreise, denen CSDs eher fremd sind, zu einer Reaktion herausgefordert sehen. Bischof Gohl hat die Herausforderung angenommen. Wie gesagt: gut so!

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass Ernst-Wilhelm Gohls „Erklärung“ ein paar Schwachstellen hat. Da ist zum einen ihr gönnerhafter Ton, wie er sich im ungewöhnlichen Ihr der Anrede manifestiert: „Ihr müsst euch nicht verstecken. Ihr seid Teil der Kirche.“

Zum andern stolpert man über verkrampfte Formulierungen, die eines zeigen: Im evangelischen Württemberg ist man noch weit davon entfernt, die unterschiedliche sexuelle Orientierung von Menschen als etwas Normales zu sehen und entsprechend zu artikulieren. Oder stoße nur ich mich an Sätzen wie „Dass Menschen Angst haben müssen, weil sie sind, wer sie sind, nehmen wir niemals hin“? „Weil sie sind, wer sie sind“: Das kann man doch auch anders ausdrücken, oder nicht?

Was zu einem dritten Kritikpunkt führt, nämlich dem von mangelnder Selbstreflexion. Ich jedenfalls meine, es hätte dem bischöflichen Wort gut angestanden, auf die Hausaufgaben hinzuweisen, die Württemberg noch zu machen hat. Ja, es ist gut, sich mit der queeren Berliner Gemeinde solidarisch zu erklären! Noch besser aber wäre es, würde man in Württemberg die unselige Segnungs(verweigerungs)-praxis über Bord werfen und Liebe in welcher Form auch immer diskriminierungsfrei unter Gottes Segen möglich machen. Das wäre echte Solidarität. Landesbischof Gohl hat den richtigen Weg eingeschlagen. Nun sollten ihn andere, die Landessynode zum Beispiel, weitergehen.

Das meint Andreas Koch. Und was meinen Sie?

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