Vorsicht: In diesem Text steckt ein Ohrwurm. In mir singt dieser Ohrwurm seit ein paar Tagen, seit ein Kollege in einer Predigt das Lied erwähnt hat: „What a wonderful world“.
Dieser Schmacht-Song, der durch Louis Armstrong berühmt wurde, ist eines meiner Lieblingslieder. Er besingt die großen Wunder in den kleinen Dingen des Alltags. Zum Beispiel so: „I hear babies cry, I watch them grow. They’ll learn much more than I’ll ever know. And I think to myself: What a wonderful world.” (Ich hör Babies schrei’n, ich seh sie wachsen. Sie werden viel mehr lernen, als ich je wissen werd’. Und ich denk’ bei mir: Was für eine wunderbare Welt“). Aber ist dieser Song nicht kitschig und weltflüchtig? Das höre ich Kritiker sagen. Darauf ein entschiedenes Jein.
Der Songtext von Bob Thiele ist in einer Zeit großer Verwerfungen in den USA entstanden. Stichwort Vietnamkrieg, Bürgerrechtsbewegung und Rassismus der 60er-Jahre. Blendet man den Hintergrund aus, wird’s oberflächlich. Nimmt man ihn ernst, und bedenkt, dass Louis Armstrong aus armseligen Verhältnissen stammte und Rassismus am eigenen Leib erlebt hat, dann spiegelt der Song Hoffnung. Die Entscheidung dafür, Widerständen zu trotzen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Er wird zur Erinnerung daran, sich in erregten Zeiten nicht permanent in Empörungsschleifen zu begeben, sondern einen Schritt heraus zu machen. Sieh das Schöne. Atme durch. Und wenn Du dann siehst, dass der Konflikt Deinen Einsatz wirklich braucht – dann steig ein. Aber erst dann.
Passt auch heute gut, bei der verbreiteten Unzufriedenheit über die politisch Verantwortlichen und sinkendem Vertrauen, dass sie die Probleme gelöst kriegen. Und es passt zur Einladung von Jesus, bei allem Einsatz fürs Reich Gottes die kleinen Wunder nicht zu übersehen: „Seht die Lilien auf dem Felde … Ich sage euch, dass Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.“
So. Jetzt haben auch Sie einen Hoffnungs-Ohrwurm. Ich find’ ihn gut.