Die Fußballweltmeisterschaft steht vor dem Tor. So aufwendig und inszeniert wie nie.
Und wir sind auch dabei. Also nicht wir alle, aber unsere Jungs. Die schon. Fast alle, die wir dabeihaben wollten – und die anderen eben auch. Hauptsache, wir gewinnen. Zumindest bis ins Halbfinale sollten wir kommen. Das wär schon gut. Ob was daraus wird? Alles eine Sache des Glaubens.
Die einen glauben so, die anderen so … Beim Zuschauen denke ich immer wieder: So ein Fußballspiel ist doch fast wie ein Gottesdienst. Immer die gleiche Liturgie mit Symbol und Ritual allzumal. Herzinnige Gesänge, Schals. Begeisterung wie an Pfingsten. In allen Sprachen.
Zum Zungeschnalzen! Wir erheben unsere Herzen… Und dann der feierliche Einzug der Zelebranten. Jeder mit einem kleinen Messdiener an der Hand. So betreten sie den heiligen Rasen. Kaum hat das Spiel begonnen, wird klar, wer sich zu welcher Mannschaft bekennt. Mit ganz viel Passion passiert der Spielverlauf. In der Halbzeitpause gibt es eine Predigt. Womöglich sogar eine sogenannte Kabinen-Gardinen-Predigt. Wird die gut gehalten, kommen die Mannschaften vom Tod zur Auferstehung zurück. Torjubel zum Niederknien und Blick zum Himmel. Vor aller Augen ganz viel Gott. Und wer am Ende den Sieg davonträgt, ist bereit zum Trikottausch. Wie heilige Röcke werden sie angebetet. Die Mannschaft, die am Ende siegt, bekommt dann zu Recht auch die Vasa sacra, die heiligen Gefäße, den Pokal. Erhebend auch das.
Und wenn wir jetzt wirklich wollen, dass es am Ende die Deutschen sind, die Weltmeister werden, wie schon viermal zuvor, dann müssen wir gläubig sein. Sogar ziemlich sehr! Und wer weiß, vielleicht feiern wir dann endlich mal wieder ein Sommermärchen.
Gebe Gott, dass es bei alledem friedlich und menschlich zugeht.
Dann wär‘s tatsächlich fast wie ein Gottesdienst.