„Fürchte dich nicht“ – das sind gerade meine drei Lieblingsworte aus der Bibel. Manche sagen, sie kämen 365-mal in der Bibel vor, also für jeden Tag die Zusage: „Du brauchst keine Angst zu haben, ich bin da, ich lass dich nicht allein.“ Ich habe zwar beim Nachschauen nur 297-mal die Worte „Fürchte dich nicht“ gefunden. Aber wie dem auch sei, dass diese Worte so oft in der Bibel wiederholt werden, zeigt eines deutlich: Angst ist ein Gefühl, das zum Menschsein dazugehört.
Es ist normal, Angst zu haben, niemand muss sich dafür schämen. Aber Angst ist immer nur die halbe Wahrheit in unserem Leben. Jeder menschlichen Angst steht die göttliche Zusage entgegen: „Fürchte dich nicht!“ Gerade in Zeiten, in denen die Angst zunimmt und uns die Brust zuschnüren möchte, wird die göttliche Zusage noch größer: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein (Jesaja 43,1).
Angesichts des Ukraine-Kriegs, der Gazakrise und der Sorge um die wirtschaftliche Zukunft unseres Landes ist es mehr als normal, Angst zu haben – vor allem, wenn sich dann noch private Sorgen um die eigene Gesundheit oder die eines Menschen, den man gern hat, zu diesen globalen Sorgen dazugesellen. Dann ist sie mehr als verständlich.
Es ist gut, über diese Ängste offen zu reden und sie anzusprechen. Aber theologisch gesprochen ist die Angst nicht das, was dich bestimmt, sie wird es auch nie sein. Sie ist ein wichtiges Gefühl, eines das man ernst nehmen sollte. Und eines, bei dem es sich auch lohnt, Hilfe zu holen, wenn die Angst lähmt.
Aber dabei ist immer klar: Die Angst ist nicht unsere Identität, die uns als Menschen für immer bestimmt. Das, was uns im Wesentlichen bestimmt, ist Gottes Zusage: „Du bist mein – mein geliebtes Kind, meine Tochter, mein Sohn, mein Meisterwerk, mein Einzelstück – ich pass auf dich auf, auch jetzt. Auch heute und auch dann, wenn die Angst aufsteigt, bin ich da. Darum fürchte dich nicht!“