Was bin ich wert vor Gott? Das war Martin Luthers Frage.
Wenn ich meine vergangene Woche bewerten sollte: 5 Sterne, mindestens. Der Pool, riesigblank, ragt randlos ins Meer. Das Meer, knalltürkis, streichelt die Augen. Die Leute im Hotel sonnig, das Buffet gaumenschmeichelnd. So schmeckt das Paradies in Kroatien, zumindest für meinen Mann und mich. Wir haben unsere Herbst-Auszeit genossen.
Anders dieser Gast: „1 Stern, besser null. Das Bad ist eine Katastrophe. Die Liegen am Strand sind kaputt. Das Essen ist langweilig. Die an der Rezeption waren unfreundlich. Nie mehr Kroatien!“ Offensichtlich hat er anderes gesehen, geschmeckt, erlebt als wir. Er legt auf anderes Wert und wertet in wenigen Worten ein Hotel samt Land und Leuten ab.
Wir leben in einer Welt, in der alles bewertet wird. Restaurants, Kliniken, sogar Toiletten. Dazu die Ärztin, der Koch, die Servicekräfte. Alle können alles und alle bewerten, auf einen Blick, auf einen Klick. Aufgrund einer einzigen Erfahrung: 5 Sterne oder kein Stern. Rein persönliche Bewertungen entscheiden, was etwas oder jemand wert sein soll.
Was bin ich wert? Das ist die heutige Frage. Besonders in den sozialen Netzwerken, die so unsozial und unmenschlich sein können.
Luthers Antwort bleibt die alte: Niemand soll dich bewerten, auch nicht du selbst. Du bist wertvoll. Vor Gott. Besser kannst du nicht werden. So entdeckt er die Gute Nachricht neu. Lange genug hat er als Bruder Martinus versucht, sich vor Gott zu optimieren. Aber nie war’s genug, nie reichte es für einen weiteren Stern.
Auch die Nachwelt bewertet ihn – Judenhasser, Fürstenfreund, Polterer – nicht nur als den wegweisenden Reformator, der er war. Wie viele Sterne würden Sie ihm geben? Nein, bitte nicht bewerten. Denn letztlich ist nur ein Stern was wert: der über Bethlehem.