Lucie Panzer meint

Christen haben den Stallgeruch Gottes!

Kolumne
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Wo sie denselben Stallgeruch haben wie ich, da fühle ich mich wohl. In unserer Zeit hat das nichts mehr mit Landwirtschaft zu tun. Denselben Stallgeruch haben die aus demselben Milieu kommen oder dieselbe Herkunft haben. Ich komme aus dem südniedersächsischen Weserbergland. Jetzt lebe ich seit über 40 Jahren in Württemberg. Aber mein Stallgeruch ist noch immer ein anderer. Man merkt das zum Beispiel an meiner Sprache, und daran, dass ich Grünkohl lieber esse als Linsen mit Spätzle. Ich bin inzwischen hier im Schwäbischen zu Hause. Aber wo die Leute sprechen wie ich und essen wie ich – das ist irgendwie anders. Heimatlich.

Dass ich mich zu Hause fühle, das hat aber nicht nur mit Sprache und Essen zu tun. Stallgeruch ist mehr. Ich behaupte: Christen haben auch einen ganz bestimmten Stallgeruch. Wie sollte es anders sein. Jesus Christus wurde in einem Stall, bei armen Leuten geboren! Und wo Christen sich versammeln, ganz gleich ob im Weserbergland oder mitten in Stuttgart, da fühle ich mich zugehörig . Meine Tochter hat während ihres sozialen Jahres einmal Weihnachten auf Bali gefeiert. Sie hat das sogar dort gespürt, sagt sie: Im Gottesdienst war eine Krippe aufgestellt, die Weihnachtsgeschichte wurde auf balinesisch gelesen, man hat „Stille Nacht“ in der dortigen Sprache gesungen und das Vaterunser gebetet. „Da habe ich mich fast wie zuhause gefühlt“, hat sie erzählt.

Ich glaube, das liegt am Stallgeruch. Gerade in den westlichen, wohlhabenden Ländern versuchen viele, den zu verdrängen, unter viel Lichtern und Gold und Silber und Bergen von Geschenken. Kein Wunder, dass dabei vieles verloren geht. Kein Wunder vielleicht auch, dass die Christen dort mehr werden, wo sie Menschen arm sind. Jesus Christus war auch arm. Dieser Stallgeruch verbindet!

Aber trotzdem: Etwas bleibt und lässt sich nicht verdrängen. Sterne, Engel, Krippe, Weihnachtsbaum und „O du fröhliche“ wärmen noch immer vielen das Herz, auch wenn sie aus der Kirche ausgetreten sind. Ich hoffe und wünsche uns allen fröhliche Weihnachten – so wie damals die Hirten fröhlich vom Stall weggegangen sind. Sie hatten nämlich begriffen: Wir haben den Stallgeruch Gottes!

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?

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