In diesen Tagen wird er in Stuttgart beigesetzt: Klaus Scheffbuch, 89, langjähriger Esslinger Dekan, Beinahe-Landesbischof, heimlicher Oberbürgermeister, für mich aber der Mann mit dem Brot – ein Ehrentitel. Seine letzten Jahre verbrachte er im Heim in Dettingen. Über seinen Schreibtisch hinweg konnte er auf die Burg Teck blicken. Der Albtrauf: Klaus Scheffbuch hat ihn geliebt.
Ich selber hatte als junger Pfarrer in Esslingen vor allem eins: Respekt vor ihm. Der ist geblieben. Dabei hat er mir im Lauf der Zeit immer mehr zugetraut. „Der Koch ist mein Schäuble“, hat er mich als seinen Nachfolger im Vorsitz des Vereins Heimstatt vorgestellt. Klaus Scheffbuch als Helmut Kohl? Unvorstellbar! Eher schon als Pfarrer Christoph Blumhardt aus Bad Boll mit seinem Herz für die Arbeiter. So ein Herz hatte Scheffbuch auch. Herausgekommen ist dabei für Stadt und Kreis Esslingen ein engmaschiges soziales Netz. Eberhard Klapproth und Ulrich Bauer hießen seine beiden Esslinger Oberbürgermeister. Mit ihnen auf Augenhöhe befand sich „der Dekan“. Auch ohne Namensnennung war klar, wer gemeint war.
Das mit dem Brot aber verhielt sich so: In einer persönlichen Krise hat mich Klaus Scheffbuch buchstäblich von der Straße aufgelesen und bei sich an den Küchentisch gesetzt. Dann hat er eine Scheibe Brot genommen, sie mit Butter und Marmelade bestrichen und den Teller vor mich hingestellt: „Essen muss man. Guten Appetit!“ Das war Klaus Scheffbuch, wie er leibte und lebte: „Essen muss man. Ein Dach über dem Kopf braucht man. Und ein gutes Wort schadet nie.“
Entsprechend hoch hat er das Wort Gottes gehalten: Er war ein exzellenter Prediger. Einmal habe ich ihn auch schwach gesehen: als die Synode ihn in einem unwürdigen Schauspiel nicht zum Landesbischof wählte. Ich hab ihn im Esslinger Pfarrhof aufgesucht. Heute weiß ich, dass ich ihm statt Blumen etwas anderes hätte mitbringen sollen: ein Stück Brot. Denn „essen muss man“, sagt der Mann mit dem Brot. Lieber Klaus, von Herzen danke für alles!