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Pfarrer im Ruhestand Ludwig Burgdörfer vor einem blauem Hintergrund.
Ludwig Burgdörfer meint

Der Verlust des Feiertags ist beklagenswert

Im Vordergrund des Bildes befinden sich betende Hände, die auf einer Bibel liegen. Im Hintergrund sind ein Fenster und Bäume verschwommen zu sehen. Kolumne
Canva

Sie haben ihn uns weggenommen. 1995. Um die Finanzierung der damals neu eingeführten Pflegeversicherung abzusichern. Das ging nur so glatt über die Bühne, weil er uns schon lange nichts mehr wert war. Ja, er ist uns eher lästig gewesen, war so gar nicht attraktiv. Und da wir als Kirche auch damals schon möglichst vielen gefallen wollten, damit uns nicht noch mehr Leute weglaufen, glaubten wir, mit diesem miesen Tag keine gute Imagepflege betreiben zu können.

So ganz auf Schmusekurs eingestellt, um ja niemanden zu erschrecken, brauchten wir keinen Buß- und Bettag mehr. Wir hatten uns wohl damals schon irgendwie abgewöhnt, dass der christliche Glaube tatsächlich eine ernste Angelegenheit sein könnte. Damit haben wir alle in einen diffusen Unschuldsschlaf gesäuselt, haben den lieben Gott einen guten Mann sein lassen und zur Nullnummer gemacht. Der völlig ohne Ansprüche einfach froh ist, wenn man ihn in Ruhe lässt und er im Himmel ungestört auf und ab gehen kann, sich mit wenigen Freunden zum Manna trifft und sich mit seinem Sohn über himmelweite Unterschiede unterhält.

Unser Gottesbild strotzte damals schon nur so vor Belanglosigkeit. Lange Jahre schon hatten wir den lieben Gott ohne Furcht und Zittern auf seine grenzenlose Großherzigkeit festgelegt und kühn vorausgesetzt, dass er es schon richten wird, ohne zu richten. Dass er uns alles nachsieht, ohne genau hinzusehen, und am Ende gar nicht anders kann, als uns unendlich gnädig zu sein. Also brauchten wir den Tag der Buße und Umkehr als Institut immer wiederkehrender Besinnung einfach nicht. Dabei wäre eine Ermahnung, dass wir mutiger bekennen, treuer beten, fröhlicher glauben und brennender lieben, durchaus sinnvoll.

Damals wie heute. Denn wir brauchen dringend eine neue Zeit der Ehrfurcht gegenüber einem Gott, den man ernst nimmt und darum liebt. Darum beklage ich den verlorenen Buß- und Bet-Feiertag als großen Verlust.

Das meint Ludwig Burgdörfer. Und was meinen Sie?

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