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Lucie Panzer meint

Erst urlaubsreif und dann gestresst

Eine Frau sitzt an einem Steg im Wald. Sie hält eine Tasse in der Hand und blickt über einen nebelverhangenen See. Kolumne
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Zu Anfang des Sommers sagen viele, sie seien urlaubsreif: Aussteigen aus Alltag und Stress, Entspannung, Ruhe, das sei jetzt dran. Und wer schon Rentner ist oder Rentnerin wie ich, der sucht auch ein bisschen Abwechslung vom Alltag. Also nichts wie weg! Bloß: Wenn ich nach dem Urlaub frage, wie’s denn war, dann höre ich oft: „Ganz schön anstrengend. Es war überall so voll. Staus auf der Autobahn, am Strand zu wenig Platz, überall musste man Schlange stehen und warten.“

In einer Statistik habe ich gelesen, dass zum Beispiel auf Mallorca 13,5 Millionen Touristen waren und 35 Millionen in Venedig. In der Lagunenstadt muss man inzwischen Eintritt bezahlen, wenn man hineinwill. Es kommen zu viele Touristen, die Einwohner fühlen sich fremd in der eigenen Stadt. Statt Ruhe und Entspannung gibt es Lärm, Müll und Gedränge.  Einige Touristen suchen nur den besten Platz fürs Selfie, damit nachher jeder sehen kann: Sie waren auch da.  

Also lieber gar kein Urlaub und Erholung auf Balkonien? Das kann mal ganz schön sein, aber jedes Jahr derselbe Balkon? „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ hat schon Paul Gerhardt seinen Zeitgenossen geraten. Entspannung braucht Abwechslung und Inspiration, neue Erfahrungen und Begegnungen, Tapetenwechsel.

Ein Bekannter hat mir nun etwas Positives erzählt. „Ich war im Zeltlager auf der Schwäbischen Alb, als Betreuer für die Kinder aus meiner Gemeinde. Für mich war das Entspannung pur. Keinen Moment habe ich an meine Arbeit gedacht.“ Eine Freundin war an der Müritz und fand es dort unglaublich ruhig und erholsam. Ich selbst war vor ein paar Jahren in Masuren. Direkt menschenleer war es dort und ich hatte viel Platz, um die Seele baumeln zu lassen. Ich habe dort begriffen: Man muss nicht dorthin reisen, wo alle hinfahren.

Was einem im Urlaub Freude macht, ist sicher anders mit 20, mit 40 oder mit 70 Jahren. Aber man sollte gut überlegen, wohin man geht und warum. Dass die anderen auch schon dort waren, ist kein Argument.

Das meint Lucie Panzer. Und was meinen Sie?

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