Sind Sie ein Friedhofsmensch? Dann sind Sie wie ich, der ich gern immer mal wieder und einfach so auf den Friedhof gehe. Dort halte ich an diesem oder jenem Grab inne, bewundere den Blumenschmuck, überlege, was die Grabsteininschrift mir sagen will, und stelle hier und da fest, dass ich an diesem Grab schon mal gestanden habe – als Gemeindepfarrer vor vielen Jahren.
Apropos Friedhofsmensch: Das Wort ist über eine Cousine auf mich gekommen, die genau das nicht hat, nämlich ein unbeschwertes Verhältnis zum Tod. Deshalb geht sie auch nur zu Beerdigungen auf den Friedhof. Ist die Feier vorbei, atmet sie erleichtert auf: „Nein, ich bin wirklich kein Friedhofsmensch!“
Selber hab ich übrigens neben meinem Heimatfriedhof auch noch einen Lieblingsfriedhof auswärts. Er ist als Blumhardt-Friedhof bekannt und liegt in Bad Boll im Landkreis Göppingen. Dort sind Frauen und Männer begraben, die im schwäbischen Pietismus einen klangvollen Namen haben, unter ihnen Gottliebin Dittus, Blumhardt Vater und Blumhardt Sohn.
Ich hoffe, es ist verzeihlich, hier nur den jüngeren Blumhardt kurz zu streifen. Aber mit ihm, dem ersten SPD-Pfarrer im württembergischen Landtag, verbindet mich nicht nur politische Nähe. Ihm verdanken wir auch eines der schönsten Glaubenszeugnisse, die es in Sachen Sterben und Tod gibt. So soll Christoph Blumhardt, als ihm die Nachricht vom Tod des großen Sozialdemokraten August Bebel überbracht wurde, gesagt haben: „Jetzt wird dr August Auga macha.“
Zurück zu den Friedhofsmenschen und denen, die es noch werden wollen. Es werden wollen, weil man vor dem Sterben und dem Tod keine Angst haben muss. Oder weil es gut ist, in diesem Sinn angstfrei zu leben. Und ja, es werden wollen, weil ein Gang über den Friedhof aus Friedhofsmenschen Hoffnungsmenschen macht – gerade jetzt am Toten- oder Ewigkeitssonntag! Wie heißt es auf dem Grabstein von Christoph Blumhardt: „Dass Jesus siegt, bleibt ewig ausgemacht.“