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Pfarrer im Ruhestand Ludwig Burgdörfer vor einem blauem Hintergrund.
Ludwig Burgdörfer meint

Gott hält nichts von eiskalter Fernwärme

Eine Gruppe von jungen Menschen steht versetzt hintereinander mit dem Gesicht zur Kamera. Alle blicken auf ihr Smartphone. Alle tragen weiße T-Shirts. Kolumne
Canva

Gerade hat es wieder eine Umfrage über die beliebtesten Freizeitaktivitäten bei uns gegeben. Dabei ist man bei der Stiftung für Zukunftsfragen von British American Tobacco der Frage nachgegangen, womit sich die Deutschen am liebsten die Zeit vertreiben. Auf der Rangliste ganz oben steht „Internet nutzen“.

Ich habe es gerade eindrucksvoll bei unserer Überfahrt mit der Fähre zu unserer Urlaubsinsel in der Nordsee beobachtet. Um uns herum saßen Familien, die sich über zwei Stunden keines Blickes würdigten und kein Wort sprachen, da sie alle Aufmerksamkeit auf ihre Displays richteten. Die oben zitierte Umfrage liefert darum den klaren Befund, dass Treffen mit Freunden und Nachbarn oder gemeinsame Zeit miteinander selten geworden sind. Das allgemeine Interesse hat sich verschoben hin zu individualisierten und digitalisierten Formen des sozialen Austauschs. Weder im Zug noch an der Bushaltestelle, weder im Wartezimmer noch im Restaurant werden primär Blickkontakt und Gespräch gesucht. Man ist zwar körperlich anwesend, aber weit weggebeamt, merkwürdig entrückt. Wie aus der Welt. Sitzt auf einem Stuhl irgendwo im Orbit und zählt seine Follower.

Im Urlaub habe ich gerade das digitale Fasten gewagt. Bin zwei Wochen komplett offline gewesen. Zu meiner Überraschung hat mir das niemand wirklich übel genommen. Sogar unsere Kinder haben darauf mit Respekt reagiert. Ja, ich glaube sogar, dass sich viele das zwischendurch einmal gönnen dürfen. Gegen die Tyrannei der unablässigen Erreichbarkeit sind wir nicht machtlos. Auf die gesunde Balance kommt es an. Denn die neue Form der Kommunikation und das Nutzen der neuen Medien bedeuten natürlich auch einen großen Fortschritt. Aber Nähe und persönliche Begegnung, Interaktion und Blickkontakt können sie nicht ersetzen.

Sogar Gott selbst verspricht uns ja, sein Angesicht immer wieder über uns leuchten zu lassen, wenn er uns segensreich macht Tag um Tag. Er hält nichts von eiskalter Fernwärme.

Das meint Ludwig Burgdörfer. Und was meinen Sie?

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