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Pfarrer Nicolai Opifanti vor einem blauen Hintergrund.
Nicolai Opifanti meint

Gott liebt die in sich gekehrten Menschen

Auf dem Bild ist eine ältere Dame mit weißen Haaren und einer hellblauen Brille zu sehen. Auf dem Kopf trägt sie ein goldenes Partyhütchen mit weißen Punkten. Ihre Augen sind aufgerissen und sie sieht fröhlich aus. In ihrer Hand ist eine Tröte, in die sie reinpustet. Im Hintergrund sieht man bunte Wimpel.  Kolumne
Canva

Lauter, schriller, auffälliger. Als ­Social-Media-Pfarrer unserer württembergischen Landeskirche bin ich täglich mit diesem Motto konfrontiert, denn wer auf den Sozialen Medien durchstarten und den sogenannten Algorithmus befriedigen will, muss auffallen. Wenn man mit dem Smartphone durch die Sozialen Medien scrollt, dann sieht man in erster Linie Dinge, die besonders kontrovers, besonders anstößig, besonders kreativ, besonders lustig sind. Es gilt: Auffallen um jeden Preis.

Natürlich ist es in Ordnung extrovertiert zu sein. Gott liebt extrovertierte Menschen, er ist mit dem halbnackten David schließlich durch Jerusalem getanzt (2. Samuel 6,14). Aber man darf das niemals umkehren und sich selbst abwerten, nur weil man eben nicht so schrill und laut ist. Gott liebt extrovertierte Menschen, aber mindestens genauso liebt er die Introvertierten, die in sich gekehrt sind. Jesus selbst war die meiste Zeit seines Lebens nicht im Vordergrund. Das vergessen wir oft. Er hat nur drei Jahre wirklich öffentlich gewirkt und selbst in dieser Zeit hat er sich immer wieder an einsame Orte zurück­gezogen (Lukas 5,16).

 Ja, Gott ist mit Menschen wie Johannes dem Täufer unterwegs, der sich von wildem Honig und Heuschrecken ernährt hat und sich mit wildem Kamelhaar kleidet, aber er beruft auch den Fischer vom See Genezareth zu seinen Jüngern. Jesus stellt ganz besonders das Verhalten von Maria heraus, die gelernt hat, zuzuhören und in Ruhe Jesu Worte auf sich wirken zu lassen (Lukas 10,39-42).

Was will ich damit sagen? Ganz einfach: Wir dürfen uns nicht täuschen lassen! Nur weil Auffälligkeit medial oft besonders belohnt wird, heißt das nicht, dass das auch bei Gott so ist. Gott ist kein Algorithmus. Er belohnt nicht die eine Art von Menschen mehr als die anderen, sondern sieht in allen das Wertvolle. Er liebt die Extrovertierten, aber er liebt auch Dich – wenn du Dich eher in der Stille, Ruhe und Unauffälligkeit zuhause fühlst. Gott liebt die Introvertierten – und wir Extrovertierten tun gut daran, auch bei ihnen einmal in die Schule zu gehen.

Das meint Nicolai Opifanti. Und was meinen Sie?

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